Vampire: Die Maskerade


Eine Welt der Dunkelheit
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 Betreff des Beitrags: Zahltag (Verhör: Alida)
BeitragVerfasst: Do 10. Okt 2019, 19:22 
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Als Alida nach ihrem langen und erbarmungslosen Kampf gegen die steinernen Diener der Tremere wieder erwachte, musste sie feststellen das sie trotz der kühlen Grabeskälte, dem tiefen Schlummer des Tieres der einen jeden Kainiten am drohenden Ende seiner Kräfte zu übermannen drohte, wieder bei vollem Bewusstsein wahr. Für gewöhnlich war der lange Schlaf eine Art surreale Mischung aus nebligem Halbdunkeln oder ohnmächtiger Realität für die Untoten. In ihrem Fall war es ersteres gewesen. Vage Erinnerungen daran wie sie von in grauen Roben gekleideten Günstlingen der Hexenmeister durch steinerne Gänge getragen worden war; Bilderfetzen die eine fensterlose Zelle mit massiver Eisentür zeigten und regelmäßiges Gemurmel verschiedenster Stimmen aus allen möglichen Richtungen. Bis auf die Erinnerung an mehrere Hände sich an ihrem Körper und ihrer Kleidung grob und unnachgiebig zu schaffen gemacht hatten, blieb der Rest der Geschehnisse nach ihrer erdrückenden Niederlage in tiefes, undurchdringliches Schwarz getaucht. Und das blieb es auch, selbst nachdem sie die Augen geöffnet hatte. Ein Schwarz, wie es nur eine tiefe Höhle, ein geschlossener Raum, eine Truhe oder etwas Ähnliches erzeugen könnte. Und tatsächlich: Als sie versuchte sich zu bewegen, musste sie rasch feststellen, dass ihre Bewegungsfreiheit durch eine Art kalten, eisernen Widerstand stark eingeschränkt wurden und dies in allen Richtungen. Nach wie vor stand sie aber aufrecht, was die Vermutung nahelegte, man habe sie womöglich in eine Art eisernen Sarg oder eine hohe metallene Truhe verbannt. Überrascht musste sie auch feststellen, dass sie keinerlei Kleider mehr am Leibe trug. Die Hexer mussten wahrlich paranoid geworden sein in all den Jahren ihrer widerwärtigen Existenz. Ihre Schläfen und ihre Augen brannten und sie fühlte sich müde, ausgelaugt, hungrig und völlig entkräftet. Aber sie war noch da. Man hatte sie wundersamerweise nicht unverzüglich verbrannt oder hingerichtet, wie man vielleicht hätte vermuten können. Das wiederum legte allerdings einen anderen, weitaus schlimmeren Verdacht nahe. Wenn sie noch hier war, musste es einen Grund dafür geben. Ihre Gefangenschaft konnte demnach nur eines bedeuten…

Jäh wurden ihre Gedanken von einer bekannten Stimme unterbrochen, von der sie sicher war, sie bereits einmal Befehle bellend und Anweisungen diktierend durch die Gänge habe rufen hören. Holz knarrte leicht ein paar Meter vor ihr. „Ah ihr seid erwacht, wunderbar. Nehmt euch einen kurzen Moment, um wieder ganz zu euch zu kommen, diese Erweckungsrituale sind eine ziemliche Belastung für den Körper. Selbst für den bereits verstorbenen.“ Die Stimme, die offensichtlich einem Mann gehörte räusperte sich knapp. „Im Übrigen kann ich jegliche Versuche eurerseits eure derzeitige Situation zu entkommen bereits im Keim ersticken. Jede nur erdenkliche Sicherheitsmaßnahme wurde ergriffen und die Bestien patrouillieren diese Mauern augenblicklich mit Argusaugen, dessen könnt ihr gewiss sein. Über den befremdlichen Aufbau eures Gefängnisses nun…“ Man hörte ein Zungenschnalzen. „Ihr befindet euch in einem Eisensarkophag der speziell für diese Anlässe konstruiert wurde. Wir haben nur drei Öffnungen vorgesehen. Eine Blende vorne, damit ihr im Bedarfsfalle etwas sehen könnt, sowie eine Blende über und hinter euch. In der oberen kann besonders gut brennendes Öl eingelassen werden, die hintere dient dem Entzünden des Öls mittels eines dünnen Holzstabes. Ihr seht also: Flucht ist sinnlos.“

Ein weiteres Mal ertönte hölzernes Knarren; offenbar rückte jemand einen Stuhl zurecht. „Ich werde euch jetzt einige Fragen stellen und eure Antwort abwarten, bitte sprecht laut und deutlich damit ich euch gut verstehen kann. Wenn mir gefällt was ich höre, bleibt ihr womöglich am Leben, falls es mir nicht gefällt oder ich annehmen muss ihr lügt werden wir andere Methoden anwenden müssen. Falls ihr die Zusammenarbeit völlig verweigert oder ich keinen Fortschritt in unserem Gespräch erkennen kann, werdet ihr diese Welt leider in einer kurzen Feuerglut verlassen müssen. Habt ihr mich soweit gut verstanden?“ Eine Pause. Es war wohl nun an Alida ihm zu antworten.

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Verfasst: Do 10. Okt 2019, 19:22 


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 Betreff des Beitrags: Re: Zahltag (Verhör: Alida)
BeitragVerfasst: Do 10. Okt 2019, 21:08 
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Alida spürte den nagenden Hunger, der an ihr riss, Schmerzen in allen Gliedern, die doch irgendwie wieder zusammen gewachsen sein mussten und diese unerträgliche Leere, die nur von dem herrisch die Kontrolle einfordernden Tier übertönt wurde. Das Tier wusste, Alida konnte nichts ausrichten um ihre Lage zu verbessern und so würde es ein ums andere mal versuchen das zu vollbringen, was einer einfachen toten Sterblichen nicht möglich war, mochte es in dieser Nacht auch schon dutzende Male in seiner Raserei gescheitert sein. Das Tier war nicht in der Lage zu lernen… doch es verlangte.
Alida spürte das Gefühl von Panik, das schon so oft in den letzten Stunden in ihr gewütet haben musste, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnerte, wie den fahlen Geschmack, den verdorbenes Essen auf dem Gaumen hinterlässt.
Und die Frage, die in ihrem Kopf auftauchte auch wenn sie sie am liebsten verdrängen würde: War es sinnvoll weiter zu machen? Zu welchem Preis? Ein paar Tage in Folter, in denen sie möglicherweise alles verriet, was ihr wichtig war, um danach doch vernichtet zu werden? Oder als eines der versklavten Geschöpfe zu enden, von denen sie so vielen bereits begegnet war? Um nichts in der Welt!
Sie schluckte und versuchte ihrer Stimme einen festen Klang zu verleihen, was ihr jedoch nicht gelang. „Warum sollte ich das tun?“
„Weil ich kein Monstrum bin, meine Liebe“, erklang es in einigen Metern Entfernung. „Wir müssen uns glaube ich nicht mehr darüber unterhalten ob ihr mir alles was ich wissen will sagen werdet sondern nur ob und wieviel Zwang dazu nötig sein wird, so einfach ist das. Ihr könnte es also tatsächlich sehr einfach und schmerzfrei haben oder grausam und langwierig. Letzteres nimmt mir kostbare Zeit, die ich andernorts gut gebrauchen könnte aber mehr auch nicht. Überdenkt bitte eure Situation in Ruhe und gebraucht euren Verstand. Die Ergebnisse eures Bluttests sollten in Kürze eintreffen.“ Der Mann schien sich von seiner Sitzgelegenheit zu erheben und Schritte ein wenig auf und ab. Das hölzerne Stampfen, das mit allen paar Schritten erklang, ließ darauf schließen das er wohl einen Stab bei sich trug. „Warum habt ihr unsere heilige Zuflucht betreten? Wer hat euch geschickt? Und wie habt ihr uns gefunden? Ihr seid nicht aus den englischen Königslanden, soviel ist mir bereits bewusst. Sprecht!“
Alida stieß die Luft durch die Lippen aus, was nach einem verächtlichen Schnauben klang. „Ihr seid kein Monstrum? Da hab ich ja noch ein Mal Glück gehabt, oder? Euch widerstrebt es zuerst zu foltern bevor ihr tötet, oder was wollt ihr mir damit mitteilen?“ Das Tier in ihr schrie erneut nach der Kontrolle, aber es ließ sich bändigen. „Euer Bluttest verrät euch nichts, was ihr nicht bereits wüsstet.“ Sie ballte die Fäuste und überlegte wie man mit allem, was die Hexer ihr androhten ihre endgültige Vernichtung zu erlangen war.
Die Antwort auf ihr Schnauben war nur ein süffisantes Hüsteln und knappes Grunzen. Also ob es jemand nicht für notwendig befunden hätte ihren Worten ein vollständiges, knappes Lachen zu schenken. „Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass ich plane euch aus dieser Welt zu entfernen, denn tatsächlich denke ich, das ihr keine beliebige Neugeborene einer lächerlichen Domäne jenseits des Kanals seid, die sich nur durch einen dummen Zufall in unsere Hallen verirrt hat. Dies meine Teuerste hat mir aber eure liebe Freundin die sogenannte Gräfin von Erzhausen indirekt verraten. Ich gebe zu das mir der Name nicht wirklich geläufig ist, aber ich glaube mich dennoch schon einmal an diesen Titel in irgendeinem Kontext erinnern zu können. Und da ich nicht annehme, dass die Gräfin mit ein paar tumben Narren und einfältigen Namenlosen reist, schätze ich das ihr eine bekannte, der Gräfin irgendwie nahestehende Person seid. Und bekannte und geschätzte Personen unserer Art vernichtet man nicht leichtfertig. Selbst wenn sie meinen ungefragt meine Domäne zu betreten. Ihr seid doch hoffentlich nicht auch so naiv und schlichtweg dumm und habt euch auf den Weg gemacht, um diesen Salubri zu befreien? Ich hoffe ihr seid wenigstens hier wegen irgendeiner alten Fehde oder einem vermeintlich magischen Artefakt oder dergleichen? Das könnte ich ja noch verstehen.“
„Ich hoffe, keiner von euren Clansbrüdern erwartet, dass ihr euch in jemanden wie mich hineinversetzen müsst, oder? Das wäre etwas viel verlangt und unter eurer Würde, oder?“ Sie seufzte. „Nach allem, was wir bisher herausfinden konnten, habt ihr doch jeden eurer Schritte so geplant, dass ihr uns fünf Schritte voraus seid. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieser Umstand nun geändert hat, oder? Oder sind es Pläne eurer Obersten gewesen, die uns hierher geführt haben von denen ihr nicht unterrichtet wart?“
Ein merkwürdiges Schweigen breitete sich in der Schwärze vor ihr aus. Gleichsam erstarben die Schritte und das hölzerne Pochen für einen Moment. Dann erklang wieder die Stimme; diesmal mit einer Spur fragender, misstrauischer Unsicherheit im Unterton. „Ich bedaure euch mitteilen zu müssen liebste Fremde, das ich keine Ahnung habe, wovon ihr sprecht. Das mögt ihr mir glauben oder nicht.“ Alida hörte ein Klopfen auf Eisen und dann den Mann vor ihr sagen: „Ja? Herein.“
Die Zellentür wurde quietschend geöffnet und eine gedämpfte Stimme murmelte leise: „Die Ergebnisse Magister“, was von einem raschen „Gut gut, aber jetzt lasst mich allein“ quittiert wurde. Die Tür wurde eilige wieder geschlossen und fiel dröhnend ins Schloss. Dann kehrte wieder Ruhe ein, nur das Rascheln von Pergament war für eine knappe Minute lang zu vernehmen. „Sieh an, sieh an“, begann der Tremere dann wieder an Alida gerichtet. „Eine merkwürdige Gesellschaft in der sich die Gräfin da begeben hat fürwahr. Aber ich bin nicht hier, um darüber zu urteilen, mit wem die edle Dame zu verkehren beliebt, nicht wahr?“ Das Rascheln hörte abrupt auf. „Ohne zu viel sagen zu wollen Gnädigste, aber ich habe keine Ahnung wovon ihr sprecht. Weder habe ich persönlich oder ein anderer aus meinem näheren Kreis noch jemand über mir irgendwelche Pläne geschmiedet euch oder die Gräfin hier festzusetzen. Mir ist zumindest nichts Derartiges bekannt. Was aber, unter uns gesagt, sehr merkwürdig ist, ist die Tatsache wie wunderbar euer Erscheinen mit einer anderen kleinen Begebenheit zusammenfällt. Nämlich der Ergreifung eures Salubri Freundes. Er ist doch ein Freund wie ich annehmen darf?“ Natürlich erwartete er keine Antwort von ihr, sondern fuhr nur weiter fort. „Wir hätten gar nicht von diesem Teufelsanbeter und Dämonenverherrlicher erfahren, wenn da nicht dieses merkwürdige Schreiben vor einiger Zeit eingetroffen wäre. Keine Spuren, kein Absender, nur die Notiz, dass ein gewisser Salubri namens Will Adale sich zu einer besagten Zeit an einem besagten Ort befinden würde. Passenderweise wurde er gerade der Mitverschwörerschaft am versuchten Königsmord beschuldigt und wäre zu verhaften gewesen. Es passte so gut, dass ich nichts weiter machen musste als eine entsprechend drapierte Gesandtschaft ‚königlicher Soldaten‘ nach ihm zu schicken. Brav wie er war, wollte er die Tradition der Stille wahren und sich während seines Transportes einen Fluchtweg ersinnen. Dazu kam es aber nicht mehr, da wir ja bereits wussten um wen es sich handelt. Ihr seht also, dass wir lediglich einen anonymen Hinweis gefolgt sind, um einen dieser widerlichen Schergen dingfest zu machen, mehr nicht. Warum plötzlich ihr und eure Gräfin in meiner Tür steht, ist mir immer noch völlig schleierhaft. Allerdings passen all diese Dinge viel zu gut zusammen als das der Zufall seine Hand im Spiel gehabt haben könnte, findet ihr nicht auch?“ Es klopfte ein, zweimal gegen Alidas eisernes Gefängnis. „Wollt ihr mir helfen Licht in diese Angelegenheit zu bringen… Unhold?“
Alida war überrascht. Will Adale ein Salubri? Mochte es tatsächlich sein, dass nicht die Hexer die Drahtzieher hinter all den Intrigen waren in deren Netz sie sich verstrickt hatten? Es fiel ihr schwer, das zu glauben. Leise stieß sie zwischen den Zähnen hervor: „Ich bin bisher noch keinem Hexer begegnet, dem ich in irgendeiner Sache behilflich sein wollte, aber da ich nun schon ein mal hier bin und ihr anscheinend ebenfalls nichts besseres zu tun habt, können wir uns wohl ebenso gut zu einem kleinen Plausch zusammen gesellen, nicht wahr?“ Sie besah sich ihr metallenes Gefängnis, die verheißungsvollen Öffnungen. Zaghaft versuchte sie in den Fingerspitzen diese zu Blut werden zu lassen, konnte sich jedoch bereits jetzt ausmalen, dass der Versuch wohl zum Scheitern verurteilt sein würde. „In meiner Domäne sind mehrere Personen entführt worden, die mir teuer sind. Ebenso erging es der guten Gräfin und alle Hinweise, die wir fanden, deuteten auf England hin. Sie vermutete den … Salubri… im Tower von London, also sollte dies unser Ziel werden. In Canterbury wurden wir von Hexern angegriffen und die Räuberbande, die ihnen zur Seite stand, war von der Insel (Name einfügen) abgesandt worden. Also war dieser Fleck unser nächstes Ziel… Nicht so spektakulär, wie ihr es euch erhofft habt, nicht wahr?“
Alida war überrascht. Will Adale ein Salubri? Mochte es tatsächlich sein, dass nicht die Hexer die Drahtzieher hinter all den Intrigen waren in deren Netz sie sich verstrickt hatten? Es fiel ihr schwer, das zu glauben. Leise stieß sie zwischen den Zähnen hervor: „Ich bin bisher noch keinem Hexer begegnet, dem ich in irgendeiner Sache behilflich sein wollte, aber da ich nun schon ein mal hier bin und ihr anscheinend ebenfalls nichts besseres zu tun habt, können wir uns wohl ebenso gut zu einem kleinen Plausch zusammen gesellen, nicht wahr?“ Sie besah sich ihr metallenes Gefängnis, die verheißungsvollen Öffnungen. Zaghaft versuchte sie in den Fingerspitzen diese zu Blut werden zu lassen, konnte sich jedoch bereits jetzt ausmalen, dass der Versuch wohl zum Scheitern verurteilt sein würde. „In meiner Domäne sind mehrere Personen entführt worden, die mir teuer sind. Ebenso erging es der guten Gräfin und alle Hinweise, die wir fanden, deuteten auf England hin. Sie vermutete den … Salubri… im Tower von London, also sollte dies unser Ziel werden. In Canterbury wurden wir von Hexern angegriffen und die Räuberbande, die ihnen zur Seite stand, war von der Insel (Name einfügen) abgesandt worden. Also war dieser Fleck unser nächstes Ziel… Nicht so spektakulär, wie ihr es euch erhofft habt, nicht wahr?“
Der Versuch alleinig ihre Fingerkuppe in Blut zu verwandeln funktionierte einwandfrei. Es gab keinen Grund anzunehmen, mit dem Rest ihres Körpers sollte es nicht ebenfalls so reibungslos funktionieren. Sie konnte den ‚blutigen‘ Erfolg tatsächlich spüren, der Tremere aber nicht sehen. Immerhin ein hoffnungsvoller Vorteil für sie, dessen sich der Hexenmeister vor ihr zudem nicht augenblicklich und unmittelbar bewusst werden würde. Noch nicht. „Der Salubri wäre auch ganz sicher in den Tower gewandert beziehungsweise verhält sich die Sache tatsächlich sogar noch ein wenig anders: Es machen Gerüchte die Runde demnach ein Will Adale im Tower einsitzt für das bereits genannte Verbrechen, dessen man ihn beschuldigt. Es gibt also zwei Will Adales oder irgendjemand möchte, dass die Welt da draußen weiß, dass Will Adale ein Königsmörder ist. Ich habe keine Ahnung welchen Standes euer Salubri sich in der Welt der Sterblichen erfreut aber dieser Umstand dürfte seiner Tarnung sehr abträglich sein. Da man aber gleichsam auch uns über seinen Aufenthaltsort informiert hat, und sein baldiges Ende damit unausweichlich besiegelt ist, gehe ich wohl davon aus das man damit nicht direkt ihm, sondern jemand anderem schaden möchte. Zumindest klingt es für mich danach.“ Ein weiteres Mal erklang das Rascheln von Papier. „Zu der Sache in Canterbury kann ich euch nichts sagen. Ich habe keinen meiner Leute geschickt, noch weiß ich von anderen in meinem Umfeld, das ein Clansbruder entsandt wurde, dort irgendjemanden anzugreifen. Es erscheint mir aber bedenklich und deshalb spektakulär genug, wenn ihr, wie ihr sagt, gleichsam auch von Räubern und Halsabschneidern angegriffen wurdet, die zudem einen unserer Zutrittspunkte kannten und weiterverrieten. Das kann eine geschickte Finte sein, um euch auf uns anzusetzen und unweigerlich ein Zusammentreffen zu erzwingen oder aber unsere stinkenden und tumben, sterblichen Dienstboten sind nicht so verschwiegen und loyal wie wir geglaubt haben. Insofern wird da wohl umgehend eine tiefergehende Untersuchung notwendig sein.“ Es entstand eine kurze Pause. „Ich werde ein paar Anweisungen erteilen müssen, unverzüglich doch zuvor…“ Die Schritte näherten sich ihr wieder. „Verratet mir euren Namen.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Zahltag (Verhör: Alida)
BeitragVerfasst: Di 15. Okt 2019, 12:09 
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Alida überraschten die Informationen, die sie von dem Herxer erhielt. Waren es Finten, ausgedacht um sie zu verwirren. Waren es tatsächlich nicht die gerissenen Tremere, die hinter allem zu stehen schienen? Die endlich ihre Rache einforderten für die Ermordung von Orlando Oriundus und die Eroberung von Brügge aus den inoffiziellen Händen der Hexer? Die Gerechtigkeit wollten für all das, was ihren Clansbrüdern und -schwestern durch die Schwerter und Äxte der Brügger angetan worden war? Die blonde Händlerin wusste, dass sie hier in der Falle saß. Auch wenn Fleischformen tatsächlich möglich war, machte sie sich nicht die Spur einer Hoffnung darauf, dass die Usurpatoren keine Vorkehrungen getroffen hatten sie an einer Flucht zu hindern.

Sie versuchte einen beiläufigen Ton anklingen zu lassen. „Wenn eure Gefolgsleute ein paar Informationen aus ihren sterblichen Untergebenen bekommen konnten, dann lasst es mich wissen, ja? Dafür verrate ich euch eine Vermutung… Nichts was, wahrscheinlich für euch von irgendeiner Bedeutung sein mag, aber dennoch eine Idee…“ Sie räusperte sich. „Mein Name ist van de Burse, ich stamme aus Flandern, wie ihr wahrscheinlich bereits anhand meines Akzents ausmachen könnt. Mögt ihr mir den Gefallen tun und mir den euren nennen und mir die Freude machen mir zu zeigen mit wem ich diesen gemütlichen Abend heute verbringen darf?“

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 Betreff des Beitrags: Re: Zahltag (Verhör: Alida)
BeitragVerfasst: Di 15. Okt 2019, 21:12 
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Auch wenn sie bereits erste, zaghafte Versuche unternommen hatte eine ihrer Blutskräfte zu wirken, um in Hinblick auf eine mögliche Flucht erste Optionen zu sondieren, gab es nichts das ihr augenblicklich in irgendeiner Sinnesmodalität signalisiert hätte, dass man besondere Vorkehrungen diesbezüglich getroffen hätte. Aber wer, wenn nicht sie wusste bereits nur zu gut, dass bei den Hexenmeistern nichts wirklich so war, wie es schien. Selbst die Flamme ein paar einfachen Kerzen, konnte zu einer kleinen Armee heranwachsen; Spiegelbilder konnten lebendig werden und ein paar magische Siegel eine ganze Armee von Untoten lange Zeit beschäftigen. Ob es das Risiko wert war, würde sie selbst entscheiden müssen. Auf ihre möglichst beiläufig klingende Einladung zum guten alten ‚eine Hand wäscht die andere‘ Spiel, reagierte ihr Gegenüber mit einem durchaus amüsierten aber knappen Lachen. „Ich habe mir bereits selbst den einen oder Gedanken zu diesen jüngsten Merkwürdigkeiten gemacht und wie ich bereits betonte, ist mir vollauf bewusst das ihr nicht hier wäret, wenn euer Dämonenpaktierer Freund nicht zufällig auf irgendeine, sicher ungewollte, Art und Weise mit der Gräfin von Erzhausen und eurer Domäne jenseits des Kanals verwoben wäre.“ Eine kurze Pause folgte.

„Und ich bin mir ebenso bewusst, dass wir uns seiner Anwesenheit in England, noch seiner wahren Zugehörigkeit zu einer Blutlinie aus üblem und durchtriebenem Abschaum erst gar nicht bewusst geworden wären, wenn uns nicht ein ominöses Schreiben erst darauf aufmerksam gemacht hätte. Ich gehe also getrost davon aus, dass man uns auf ihn angesetzt hat, im guten Wissen das eure Gräfin sofort nach ihm suchen würde. In der Hoffnung das…“ Hier unterbrach der Tremere sich selbst. „Ja in der Hoffnung auf was? Das wir euch alle beim Betreten unserer Hallen vernichten? Das wir euch allesamt ohne offene Enden verschwinden lassen? Das ihr uns bei unseren Studien zum Wesen des Kainsfluchs dienlich sein werdet? Das ihr uns vernichtet in einem mutigen Todeskampf? Das auf beiden Seiten ein paar Späne fallen aber beide Seiten geschwächt aus der Auseinandersetzung hervorgehen?“ Alida vernahm ein abfälliges Schnauben. „Ich werde euch ein kleines Geheimnis kostenlos verraten: Das Schreiben das wir erhalten hatten war absolut fehlerfrei und damit meine ich nicht den Wortlaut, sondern die einfache Tatsache, dass es sich selbst zerstört hat und selbst die Asche nichts mehr Brauchbares lieferte. Wer immer also hier sein Spiel mit uns treibt, ist äußerst mächtig, vorsichtig und hat offenbar eine gerissene, präzise Vorausplanung betrieben. Und damit kommt so gut wie die gesamte verdammte Welt in Frage.“ Erneut gab es eine kleine Pause.

„Was euren kleinen Vorschlag angeht, so bin ich bereit euch unsere Ergebnisse mitzuteilen denn ich bin der absoluten Überzeugung, dass sie ebenfalls nichts zutage fördern werden. Bestenfalls hat man den Hauptmann unserer Sterblichen Aktiva mit Blut oder viel eher Disziplinen höherer Kunst kurzfristig gefügig gemacht und über diesen ein paar unserer Leute mobilisiert. Vielleicht war es auch nur einer der dümmeren, leichter zu beeinflussenden Idioten die das schnelle Geld suchten und ein paar Kumpane mitwirken haben lassen. Damit meinte ich den kürzlichen Angriff auf euch. Ich könnte mir weiters vorstellen, dass er im Angesicht des nahenden Todes auch unseren Standort verraten hat, in der Hoffnung ihr würdet uns erledigen, bevor wir es mit dem geldhungrigen Verräter machen. Vielleicht hat er bereits das Weite gesucht. Vielleicht hat unser großer Unbekannter auch bereits alle offenen Enden beseitig. Die Möglichkeiten für solch ein Intrigennetz sind mannigfaltig.“ Ein Seufzen erklang als er ihren Namen hörte und es wirkte fast so, als würde er besonders konzentriert in sich gehen, da ein gelegentliches ‚Hm, Hm… ‘ zu vernehmen.

„Die einzige Frage ist Fräulein van de Burse aus Brügge in Flandern, ob man euch oder uns damit Schaden will. Derzeit scheint es fast als hätten wir die Oberhand, wenn ich das so salopp in den Raum werfen darf. Und ich bin überzeugt davon, dass wir sicher von diesem Umstand profitieren werden. Allein ob es sich später rächt beziehungsweise nahtlos in einen viel größeren Plan der uns zum Nachteil gereicht einfügt und somit das Risiko entweder wert ist oder nicht, kann und will ich nicht beurteilen. Das sollen und werden andere tun.“ Mit ein paar schnellen Schritten, kam der Hexenmeister auf Alidas eisernes Gefängnis zu und ein weiterer recht zügiger Griff, schob mit einem metallisch-scharrenden Ruck die Blende vor ihrem Gesichtsfeld zur Seite, sodass sie erstmalig den kühlen und fensterlosen Kellerraum erblicken konnte. Er war sehr spartanisch eingerichtet und die Hauptattraktion dieses Teil des Gildehauses, schienen scharfe Bestecke, Zangen, Nägel, Sensen, Messer, Sonden und allerlei abstruse und komisch geformten Metall Konstrukte zu sein, die man säuberlich an der Wand aufgehängt hatte. Ein kleines Kohlebecken glomm ein wenig entfernt von ihr munter vor sich hin und es roch nach altem Blut, Fleisch und wenn sie ihre feine Nase besonders bemühte, sogar Knochen. Der Mann vor ihr ging ein paar Schritte weiter nach hinten, wo er an einem kleinen Holztisch Platz nahm der mit ein paar Pergamenten übersäht war und setzte sich auf einen kleinen Stuhl, der ihr zugewandt war. Er trug prächtige Roben aus feinen Tuchen, die mit merkwürdigen Ornamenten bestickt waren und gelegentlich in azurblau glommen, waberten und irgendwie lebendig wirkten. Neben ihm stand ein hoher, hölzerner Stab, wie es wohl eines wahren Magus würdig gewesen wäre. Wohl geschnitzt und geformt, mit einem eingelegten Rubin an der Spitze, umrandet von hölzernen Ranken. Im Inneren des Rubins, konnte man so etwas wie eine kleine Lichtquelle ausmachen, etwa von der Größe eines Leuchtkäfers das sich zu bewegen schien. Der Stab stand tatsächlich als ob für ihn die Gesetze der Physik nicht zu gelten hätten aufrecht neben seinem Meister und rührte sich nicht.

„Man nennt mich Arugal den Vielgereisten“, stellte sich der wohl hochrangige Hexenmeister knapp bei ihr vor. Die Tzimisce blickte in dunkle Augen und ein recht jung wirkendes Gesicht, das in sterblichen Zeiten vielleicht sogar der einen oder anderen Dame den Kopf verdreht haben mochte. Fein geschnittene Züge und ein wacher, von Scharfsinn geprägter Blick rundeten seine Erscheinung ab. Man hätte ihn sicher gern als Parade-Hexenmeister an den Eingang zu einem Gildehaus aufgestellt, damit die Leute in Ehrfurcht vor soviel ‚Macht‘ erstarren könnten. Aber irgendwie war Alida spätestens seit Ceoris klar, dass jene Hexer die wirkliche Macht besaßen auch einiges dafür tun mussten und vorzuweisen hatten, und sich somit auch gerne nach außen hin damit brüsteten. Die Robe mochte also eine Art Orden oder Erkennungsmerkmal sein, dass sie es hier nicht mit einem unerfahrenen Dummkopf, sondern einem versierten Anwender der arkanen Künste zu tun hatte. Wenn er nicht kurz vorher mit dem wahren Meister der Magie die Roben getauscht hatte oder sie damit nur einzuschüchtern versuchte. Dies war eine Frage, die bei den Tremere wie üblich schwer zu beantworten war.

„Ich bräuchte noch einen Vornamen werte Dame van de Burse“, fügte er knapp und auffordernd hinzu. „Und da ihr offenkundig eine Unholdin seid, wäret ihr sicher so liebenswürdig mir ebenso den Namen eures Erzeugers und Großerzeugers zu nennen.“ Irgendwie wurde Alida das Gefühl nicht los, das es sich hierbei nicht um eine höfliche Bitte handelte sondern das Arugal bedauerlicherweise auf diese Auskünfte bestehen würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zahltag (Verhör: Alida)
BeitragVerfasst: Mi 16. Okt 2019, 21:12 
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Alida ging in Gedanken die Möglichkeiten durch. Sie mochte protestieren und trotzig die Zähne aufeinander beißen, aber was brachte das zu guter letzt? Wohl nichts… außer vielelicht ein wneig Zeit und die galt es zu gewinnen. Erwuchs irgendjemandem ein Nachteil, wenn sie ihren Namen nannte? Oder den ihres Erzeugers? Emilian trat im Westen als Sergej Belinkov auf und achtete geschickt um so vieles mehr auf seine Tarnung als sie es tat. Ihr Großerzeuger wiederum war seit Hunderten von Jahren tot.
„Alida van de Burse.“ Sie reckte das Kinn ein wenig nach vorn und auch in dem hohlen Metallkäfig nahmen die wenigen Worte einen stolzen Klang an. „Kind des Emilian Victorovich, Kind des Victor. Der Großerzeuger ist seit Jahrhunderten vernichtet. Ich selbst habe ihn auf den Scheiterhaufen brennen sehen…“ Sie hatte ihm ein paar Brocken hingeworfen und hoffte, dass es ihr gelang seine Aufmerksamkeit mit ihren weiteren Worten in eine andere Richtung zu lenken. „Ich habe nicht oft Tremere getroffen, die offen gegen ihren eigenen Clan agieren und sich von ihren Blutsbrüdern losgesagt haben. Allerdings: diese wenigen Male waren sehr… eindrücklich.“
Die Antwort bezüglich ihres Namens und ihrer Abstammung wurde mit dem schwungvollen Streich einer Gänsefeder zu Pergament gebracht, bevor der Blick des Tremere erneut in die Richtung der Unholdin glitt und sich ein fragender Ausdruck darin bemerkbar machte. „Ich habe derlei Verräter ebenfalls nicht oft angetroffen. Wir sind einerseits zu wenige als das es allzu viele von dieser Sorte gäbe, andererseits haben wir so viele Neider und offene Feinde, als dass es sich für einen der unseren tatsächlich in irgendeiner Form rentieren würde sich gegen die Linie zu stellen. Solche Exemplare existieren meist nicht lange Fräulein van de Burse. Aber das muss ich einer Unholdin gegenüber gewiss nicht besonders anmerken, doch worauf genau wollt ihr hinaus?“
Alida stellte eine Gegenfrage. „Wann sind euch solche Exemplare denn begegnet? Diejenigen, die ich kennen lernen durfte existieren mit wenigen Ausnahmen noch alle und sie waren sehr, sehr geschickt darin zu überleben.“
Nunmehr hoben sich die Mundwinkel Arugals langsam zu einem verschmitzten Lächeln. „Ihr seid eine tüchtige Geschäftsfrau Lady van de Burse. Gefangen in einer unserer Zufluchten, zwischen brennendem Öl und unserem Verhörspezialisten nur eine Kammer weiter, feilscht ihr weiterhin geschickt um euer Unleben. Das traurige daran ist bedauerlicherweise nur, dass es im Grunde nichts gibt das ihr mir anbieten könntet, was ich mir nicht nehmen könnte, wenn ich wollte. Ihr seid nicht wirklich in der Position für gute Geschäftsabschlüsse Madame.“ Die Feder tippte ein paar Mal schabend über das Pergament und der Hexenmeister fixierte sie taxierend. „Nun gut. Wir haben zwar noch nicht darüber gesprochen, warum ihr mit einer Gräfin von Erzhausen durch die Lande zieht um Salubri zu ‚befreien‘ aber ich denke vorerst habe ich genug gehört. Genug um zunächst einmal euren Namen überprüfen zu lassen. Dann sehen wir weiter.“ Er schickte sich an aufzustehen, warf dann jedoch noch einmal einen Blick in ihre Richtung. „Es sei denn ihr möchtet mir tatsächlich etwas berichten das von Interesse für mich sein könnte. Wie die Namen oder Standorte eurer Verräter aus unseren Reihen. Ich denke das könnte in der Tat Priorität haben… unter Umständen.“
„Nicht doch, nicht doch, Arugal, der Vielgereiste.“ Man schien fast hören zu können, wie sie in ihrem stählernen Verließ den Kopf schüttelte. „Wir sind doch nicht hier um Geschäftsabschlüsse zu tätigen. Wie ihr schon ausgesprochen ernüchternd mitgeteilt habt, bin ich nicht in der Position irgendetwas anzubieten zu haben, das euch interessieren könnte. Mit Ausnahme von eingen Namen und dem Betätigungsfeld dieser durchaus mächtigen Gruppe. Und diese Informationen vermögt ihr euch innerhalb von wenigen Minuten aus meinem Kopf zu holen, da bin ich mir sicher.“ Sie nahm wieder einen plauderhaften Ton an. „Ich bin in keinster Weise auf dem Weg durch England unterwegs um irgendwelche Salubri zu retten. Mir war nicht einmal bewusst, dass dieser Will Adale zu den Einhörnern gehören soll und kann es mir schwerlich vorstellen. Von den Kindern Saulots existiert doch kaum noch eines und dass ausgerechnet die Gräfin von Erzhausen an einen geraten sein soll, würde es mir fast ein wenig weit hergeholt erscheinen, würde ich den Wahrheitsgehalt eurer Worte auch nur im kleinsten anzweifeln, was ich natürlich nicht tue. Meine Stadt, meine Domäne, die Mitglieder des Brügger Rats wurden und werden angegriffen, kalt gestellt, entführt oder vielleicht gar vernichtet. Darunter meine Ghule, meine Verbündeten. So etwas lasse ich nicht zu, wenn ihr versteht… und wer es wagt, dem sage ich den Kampf an… Nun ja… zumindest habe ich das, bis mich eure beiden steinernen Komparsen in Starre geprügelt haben. Würde ich auch nur den Hauch einer Chance sehen hier mit einem Funken meiner Existenz weiterleben zu können, würde ich ja fast sagen, ich hätte daraus gelernt mich nie wieder mit einer Gargyle anzulegen. Nun ja… diese Erkenntnis nützt mir nun nicht mehr viel, ich weiß.“
Arugal sah sie lange und eindringlich an. Ihre Erwähnung einer ihm unbekannten Gruppe die Mitglieder ihres Rates entführen oder gar vernichten würde, ließ ihn tatsächlich etwas aufhorchen. Seine Züge verloren etwas von der leicht überlegenen Gelassenheit, die erstaunlicherweise nunmehr sie im munteren Plauderton wie ein Schild vor sich hertrugt. Es hatte zwar keinen durchschlagenden Erfolg aber sie hatte zumindest seine Neugier, und was noch viel wichtiger war: Offensichtlich seine Besorgnis geweckt. „Und diese… Gruppierung besteht aus Untoten und um genauer zu sein aus Verrätern unserer Linie? Verstehe ich euch da richtig?“
Sie wartete einige Sekunden, ließ Zeit verstreichen bis sie schließlich antwortete. „Das kann ich bestätigen. Allerdings vermute ich auch Wesen anderer Art in dieser Gruppe. Habt ihr je den Namen Milena gehört?“
Arugal kniff die Augen zusammen und schien gerade in diesem Moment in allerhöchstem Maße konzentriert. „Ich denke das ich diesen Namen tatsächlich bereits schon einmal gehört habe. Mir ist gerade nur der Zusammenhang entfallen fürchte ich.“ Die Feder schrieb hurtig dahin und der Name wurde notiert. „Also diese Milena und andere Wesenheiten des Übernatürlichen sind Mitglieder dieser Gruppierung die euch Schaden wollen, verstehe ich das richtig? Was wisst ihr sonst über diese angebliche Bedrohung?“
Wieder war die Stimme von Alida gedämpft hinter dem metallenen Gefängnis zu hören. „Nicht doch. Ich weiß nur, dass ich so gut wie nichts weiß… Das einzige, was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass in der Gruppierung, die uns angriff Hexer waren, die laut euren Angaben nicht für das Wohl der Scholaren einstehen. Und das ist mir nicht oft in meiner kurzen Existenz begegnet…“ Sie ließ die Worte verklingen und hörte auf das seltsame Echo, dass sich um sie herum ausbreitete.
Es klopfte kurz eindringlich und dumpf an der im Dunkeln der sie umgebenden Schatten verschwindenden Eisentür und Arugal ließ seufzend und etwas ungehalten hereinbitten. Dem Hexenmeister war die Unterbrechung augenblicklich gerade mehr als unrecht; hatte er doch gerade erst damit begonnen Alida über diese ‚Verräter‘ und ‚Geheimverschwörer‘ auszufragen. Auch wenn sie sich jedes Wort beinahe aus der Nase ziehen ließ. In der Tür stand eine Frau in geschmackvollen Kleidern und feuerrotem Haar. Der Blick ihrer giftgrünen Augen war wach und für sterbliche Verhältnisse konnte man sie wahrlich als hübsch bezeichnen. Allein ihr Blick zeugte von unnachgiebiger Härte und unabwendbarer Entschlossenheit. „Verzeiht verehrter Arugal. Ich wollte euch nicht stören aber Gunther wäre dann mit der Gräfin soweit fertig. Die Ergebnisse sind… höchst interessant und ihr wollt gewiss sofort einen Blick darauf werfen.“ Der Hexenmeister seufzte und sah erneut in Alidas Richtung, bevor er sich erhob. „Kann das nicht warten Sylvana, ich habe hier eventuell ein paar wichtige neue Informationen erhalten die…“ Sie unterbrach ihn relativ unhöflich und knapp: „… die sicher warten können wenn ihr den Bericht gelesen habt. Ihr zieht vielleicht in Erwägung unsere… Idee mit der Wilden noch einmal in Betracht zu ziehen. An diesem Will Adale wird einstweilen noch gearbeitet.“ Arugal deutete eine Verbeugung in Richtung der Unholdin an, ließ ihre Sichtblende aber weiterhin geöffnet. „Verzeiht, ich hoffe es wird nicht lange dauern. Ich muss einige Unterlagen sichten und dann noch einigen ausgewählten Personen Bericht erstatten. Wie ich euch bereits zuvor sagte, liegen viele Entscheidungen die eine gewisse… Brisanz aufweisen nicht in meiner Hand. Ihr dürft euch in der Zwischenzeit überlegen, ob euch nicht doch noch etwas zu dieser Gruppierung einfällt das wichtig oder bedeutsam zu wissen wäre. Mich dünkt so unwissend wie ihr euch gebt, seid ihr gar nicht Fräulein an de Burse.“
Auch Alida verbeugte sich, wenn man wahrscheinlich auch nichts davon wahrnehmen konnte außer der leichten Verschiebung des Schattens den das Metall der stählernen Eisenklappe auf ihre Augen warf. „Ihr ehrt mich, wenn ihr mir so viel Wissen unterstellt, Meister Arugal. Ich wünsche euch allen Erfolg, den diese Nacht euch bringen mag ohne die unsrige weiter zu verdunkeln. Gehabt euch wohl.“
Nachdem der Hexer sich verabschiedet und die Tür mit einem dröhnenden Quietschen ins Schloss gefallen war, kehrte erneut düstere Stille in Alidas schmaler, eiserner Zuflucht ein. Selbst von draußen konnte sie keinerlei Schritte oder Geräusche vernehmen. Keine Schreie, keine Hilferufe, keine Schwerter aber auch keine Unterhaltungen oder Gemurmel. So blieb ihr auch nichts anderes übrig als eine ganze Weile so ihren eigenen schwermütigen Gedanken nachzugehen und in der Zwischenzeit Fluchtpläne zu schmieden oder angestrengt zu überlegen, wie sie ihren Wissensvorteil doch noch möglichst gewinnbringend einsetzen könnte. Dann nach einer gefühlten Ewigkeit hörte Alida schwere Schritte auf ihre Zelle zukommen. Allein dem Geräusch zu urteilen nach, hatten sich nicht weniger als fünf Personen ihrem Gefängnis zügig und entschlossen genähert. Das Scharren von Metall und Klappern von Rüstungen machten deutlich, das Arugal nicht allein zurückgekehrt war. Was vermutlich nichts Gutes zu bedeuten hatte. Als die Tür abermals quietschend aufgedrückt wurde, musste Alida erschrocken feststellen, dass sie recht behalten sollte. Der Hexenmeister war mit Syalvana, zwei der gerüsteten Banditen sowie zwei anderen Tremere in weiten Roben zurückgekehrt. Das die Gargylen nach wie vor mit dem Gestein um sie herum verschmolzen lauerten, war ebenfalls stark anzunehmen. Arugal seufzte kurz auf und hob die Schultern, als wolle er sich bei Alida für einen unhöflichen Schlampigkeitsfehler entschuldigen. „Ich komme gerade von ein paar sehr… wichtigen Gesprächen zurück und muss euch in aller gebotenen Kürze mitteilen, dass ihr… wenn man so will verlegt werdet. Wir werden eure Zelle in wenigen Augenblicken öffnen und ich würde euch bitten, keine Fluchtversuche oder Angriffe zu unternehmen. Sie wären schon von Anfang an vollkommen aussichtlos und zum Scheitern verurteilt.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung, woraufhin sich der Tross in Bewegung setzte und Aufstellung bezog Alida aus ihrer ‚Eisernen Jungfrau‘ zu befreien. Wo immer sie hinlaufen, was auch immer sie angreifen oder vernichten wollen würde, es wären stehts noch einige andere zur Stelle um sie mit geübter und gnadenloser Hand zu Boden zu strecken. Eine Flucht schien tatsächlich keine erfolgsversprechende Option zu sein. „Es tut mir wirklich leid“, meinte der Tremere in neutralem Tonfall. „Ob ihr mir das glauben wollt oder nicht. Ich selbst hätte es vorgezogen dieses Gespräch mit euch noch etwas zu vertiefen aber…. man möchte euch persönlich zu all diesen Dingen und so schätze ich auch vielen weiteren befragen. Wenn ich es anders hätte haben können, hätte ich dafür gesorgt, verzeiht. Aber bei einer direkten Order von höchster Stelle aus Frankreich, sind auch mir die Hände gebunden. Macht sie transportbereit aber gebt Acht. Fräulein van de Burse ist für Meister Goratrix persönlich bestimmt.“

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Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms.
Dante Alighieri


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