Vampire: Die Maskerade


Eine Welt der Dunkelheit
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 Betreff des Beitrags: Heiliges Land (Lucien)
BeitragVerfasst: Sa 26. Jan 2019, 23:12 
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Lucien erwachte durch die Schmerzen, die an seinen Gliedern rissen. Die Schwäche, die von ihm Besitz ergriffen hatte, dämpfte das Brennen der Wunden ein wenig und benebelte seine Sinne. Er erinnerte sich an eine unendlich lang erscheinende Fahrt in einer zugenagelten Kiste… ein Sarg, eine Truhe? Meeresrauschen, Hufgetrappel, Gesprächsfetzen, die er nicht genau belauschen konnte und das Quietschen von Wagenrädern. Schließlich hatte man ihn, er wusste nicht mehr genau wie, entpflockt und er hatte gerast. Er war auf jemanden losgegangen… Ja, der verhüllte Mann, den er bereits in Aachen gesehen und dem es gelungen war, ihm aus der Schwärze eines dunklen Hinterhalts heraus einen Pflock ins Herz zu rammen… Doch anstatt ihn mit seinen Klauen in winzige blutige Fetzen zu zerreißen, hatten seine Schläge kaum eine Wirkung gezeigt. Er erinnerte sich an einen Fausthieb des Vermummten mit einem Stahlhandschuh, der ihn schließlich die Sinne geraubt hatte. Wo um alles in der Welt war er. Er sah sich um:

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Alles in und an ihm brannte, schmerzte und signalisierte schier übermenschliche Anstrengung über eine lange, endlose Zeit ohne wirkliche Erinnerung. Es blieben ihm nur einige fragmentarische Erinnerungsfetzen, welche die durchwachsenen und verwirrenden Bilder in seinem dumpfen Schädel langsam wieder in eine konsistente Wirklichkeit verwandelten. Er war nicht mehr in Deutschland. Er war gepflockt und über den Seeweg über eine weite Strecke hinweg irgendwohin transportiert worden, vermutlich ins Heilige Land, vielleicht auch ganz woanders hin. Der rote Schleier hatte ihn aus Wut und Hunger einmal überkommen aber es fiel ihm schwer auch nur ansatzweise eine Erinnerung aus seinem gemarterten Kopf zu zaubern, die dem Gangrel gesagt hätte wen oder was er da angegriffen hatte. Geschweige denn ob dieser jemand jetzt noch lebte. Seine grauen Augen wanderten langsam in dieser merkwürdigen Höhle hin und her und seine Nase sog die Raumluft tief in tote Lungen. Es musste draußen, wo immer ‚draußen’ auch war zumindest Nacht sein, sonst wäre er unweigerlich dem Schlaf anheimgefallen. Mit einem grimmigen Grunzen sah er an sich herab und prüfte die Sicherheitsvorkehrungen, die man getroffen hatte um ihn festzuhalten. Das es welche gab, war eine Selbstverständlichkeit. Sonst würden in kürze nur noch zerhackte Leiber seinen Weg in die Freiheit pflastern.
Lucien befand sich in einer Zelle, deren Wände aus bloßem Stein zu bestehen schienen. Es war warm und stickig und es roch nach Öl. Talglichter und zwei hell brennende Fackeln waren an den Seiten außerhalb seiner Zelle angebracht und versetzten alles in oranges Licht. Seltsamerweise war er nicht an Armen und Beinen gefesselt, wie er erwartet hatte, sondern nur in einer Zelle, die mit Eisengittern vom Rest des Raumes abgesetzt war.
Er konnte eine Stimme hören, die er bereits ein Mal gehört hatte. Sie klang rau, abgenutzt und lauernd. „Er kommt zu sich. Ich zweifle euer Urteil nicht an, aber nach wie vor ist es mir ein Rätsel warum ihr diesen hier entpflockt habt, Martin.“
„Das ist eine sehr, sehr lange Geschichte, Nathaniel… Vielleicht werde ich sie euch eines Tages erzählen…“ war die Antwort einer leicht amüsiert klingenden Stimme.
„Wie auch immer. Ich schaffe sein Blut weg und bringen es zu den Uluren. Sollen die sehen, was sie aus dem ‚Tier‘ herausbekommen.“
Lucien konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie dem Mann mit einer Hand Einhalt geboten wurde. „Ich will, dass mit allem weiten gewartet wird.“
„Hm… wie ihr wünscht, Martin.“ Der Mann zog die Nase hoch und spuckte in eine Ecke.
Lucien spitzte die Ohren, die im fackelerleuchteten Licht der ansonsten stickigen, dunklen Gefängniszelle ohnehin die offensichtliche Widernatürlichkeit seiner Natur abzeichneten. Der Hauptmann musst in zweifacher Hinsicht seine Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln verziehen. Einerseits aufgrund der simplen Tatsache, dass man vergessen hatte ihn ordentlich und buchstäblich an die Wand zu nageln und andererseits, weil er die Stimmen aus der Finsternis vor ihm nur allzu gut kannte und voneinander zu unterscheiden wusste. Da waren verräterische Merkmale seines Clans, waren derzeit mehr als zweitrangig. Die Waffen und das Rüstzeug hatte man ihm abgenommen, lediglich das Untergewand und die Stiefel waren ihm geblieben. Aber mehr würde er wohl auch nicht brauchen. Was mochte den Bischof wohl dazu getrieben haben ihn nicht an Ort und Stelle zu vernichten, sondern mit sich zu schleifen und dann so halbherzig hier wegzusperren? Der Mann musste sich, passend zu seiner Arroganz, ziemlich sicher und überlegen fühlen. Mit ein paar Schritten kam er an der Gefängnistür an und legte den Kopf schief.
„Euer ehrenwerter Gefolgsmann mag ein feiges und dummes Schwein sein, Bischof, aber ich möchte ihm fast zustimmen. Du wirst nachlässig. Glaubst du ein wenig Eisen und Stein hindert mich daran die in Streifen zu teilen?“, meinte er in schneidend ruhigem Tonfall zu den Schemen innerhalb seines Gesichtsfeldes.
Lucien erkannte den anderen Mann, der mehrere große Gefäße auf einem Tisch absetzte, als er Luciens Stimme vernahm und sich umwandte.
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Auch die Stimme war ihm bekannt. Wie hatte er Luciens Angriff überleben können? Oder war das nur eine falsche Erinnerung. Er trat mit einer gemächlichen Ruhe auf die Zelle zu und stülpte sich dabei einen stählernen Eisenhandschuh über. „Du hast wohl nach gestern immer noch nicht genug, was? Wir können das kleine Spiel gerne wiederholen.“ Ein herausforderndes Grinsen breitete sich auf seinem Mund aus. „Ich hätte nicht übel Lust drauf!“
Die andere Person war tatsächlich Martin, der beide mit stoischer und interessierter Miene musterte.
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Lucien kniff misstrauisch die Augen zusammen und betrachtete abwechselnd Martin und den ihm ebenfalls bekannten Mann, welchen er eindeutig als Nathaniel identifizieren konnte. Geradewegs jener Nathaniel, der ihn in Deutschland in eine Falle gelockt und anschließend gepflockt hatte. Derart vorgeführt zu werden, hätte normalerweise eine unglaubliche Blamage für den Gangrel bedeutet, allerdings drängten sich erneut schemenhafte Erinnerungen in seinen Geist, die ihn unablässig und beinahe instinktiv davor warnten, diesem merkwürdigen Handschuh zu Nahe zu kommen. Wie immer es Nathaniel geschafft hatte ihm, dem Wolf im Schatten, zu entkommen und den Spieß sogar noch umzudrehen war ihm nach wie vor ein Rätsel. Aber es war offensichtlich, dass es einen Grund dafür geben musste warum es ihm gelungen war und warum die Sicherheitsvorkehrungen in dieser Zelle geradezu lächerlich waren. Er erwog es darauf ankommen zu lassen, aber in seinem derzeitigen Zustand würden seinen Feinden wohl schon die einfachsten, offensichtlich magischen Tricks einen immensen Vorteil verschaffen. Der Hauptmann legte den Kopf schief und lächelte schief. „Leg deinen Handschuh ab und tritt in die Zelle du stinkender Haufen Dreck und wir wiederholen unser Stelldichein von letztens. Mal sehen wie du dann abschneidest.“ Er wandte sich in Richtung Martin und ließ sein Lächeln abrupt fallen. Eiserne Kälte und unverhohlener Hass, standen ihm ins Gesicht geschrieben.
„Du hast sicher einen triftigen Grund dafür mich noch nicht hingerichtet zu haben. Ansonsten wäre ich wohl längst in der Hölle und würde dort geduldig auf dich warten. Da ich sicher nicht von einem spontanen Akt der Nächstenliebe bei dir ausgehen kann, hast du anderes mit mir vor. Sprich Herr Bischof und lass nichts aus. So oder so nähern wir uns beide dem sicheren Ende dieser Geschichte.“
Nathaniel riss sich tatsächlich den Handschuh von den Fäusten, die er wütend geballt hatte. „Ich schlag ihm die Überheblichkeit aus der schiefen Visage.“
Ein leises Lachen ließ ihn innehalten. „Nathaniel? So heißblütig kenne ich euch gar nicht. Was hat dieser hier an sich, dass ihr so aus der Haut fahrt.“ Martin war näher getreten und sah Lucien in der Zelle an.
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Der großgewachsene Mann schnaubte abfällig auf, drehte dann jedoch auf dem Absatz. „Ich hab was bei euch gut, Martin. Verlasst euch darauf, dass ich es einfordern werde. Und vergesst nicht es in eurem Brief an den Superior zu erwähnen. Ich vergesse es mit Sicherheit nicht.“ Er griff erneut nach den Gefäßen, versah den Gangrel mit einem letzten eisigen Blick und verließ dann den Raum, dessen Tür er hinter sich schloss. Lucien roch Blut.
Er war mit Martin allein., der nun noch näher an die Gitterstäbe heran kam. „Tatsächlich habe ich noch gar nichts mit euch vor, Hauptmann.“ Er spie das Wort fast aus. Ihr hättet nicht in Aachen sein sollen. Mit all dem hier habt ihr nichts zu schaffen. Und es war… nicht in meiner Absicht euch in diesem Jahrhundert irgendwie zu behelligen…“
Lucien hielt sein schiefes Grinsen weiterhin aufrecht und aalte sich genüsslich im verletzten Stolz des Schergen. Eine großartige Idee den Handschuh abzunehmen, die Zellentür aufzuschließen und ihm gegenüberzutreten. Wie wundervoll wäre es gewesen, den ehrenwerten Nathaniel mit einer flinken Handbewegung das Genick zu brechen, um sich im Anschluss ganz persönlich und mit wachsender Begeisterung um den Bischof zu kümmern. Dass es sich auch genauso abgespielt hätte, wusste jedoch offenbar auch der stoisch die Contenance wahrende Martin zu erahnen. Und deshalb wurde sein wundervoller Plan auch jäh durch ein paar knappe Worte vereitelt. Er hätte es besser wissen müssen. Nathaniel war ein Dummkopf, Martin aber führte Brügge aber nun schon eine gute Weile lang an der Nase herum und kannte die Stärken und Schwächen seiner Gegner und Verbündeten gut. Die Worte des schnaubend davontrabenden Mannes, nahm er nur noch halb wahr, richtete seine Aufmerksamkeit nunmehr vollends auf den Bischof. Offenbar war Martin nur ein weiteres Zahnrad in einem weitaus größeren Spiel, in welchem es noch andere Figuren wie beispielsweise diesen machthungrigen Otto oder den soeben genannten ‚Superioren‘ gab. Der Blutgeruch ließ ihn mit den Zähnen mahlen. Aus Hunger aber auch aus der Vermutung heraus, dass es seine Vitae war, die da in großzügigen Karaffen und Behältnissen davongetragen wurde. Lucien fletschte die Zähne und bellte ihm entgegen.

„Wage es nicht mich für dumm zu verkaufen, Bischof. Der deutsche Kaiser soll ermordet werden und durch ein machtgeiles Monster ersetzt werden, das wiederum plant sich Flandern einzuverleiben. Das ich das weder gutheißen, noch tatenlos hinnehmen kann, sollte selbst dir ach so neutralen Edelmann und Geistlichen sicher klar sein.“ Er ließ die Fingerknöchel knacken, als er die Gitterstäbe umfasste und sein Gegenüber, ohne zu blinzeln fixierte. „Wer den deutschen Thron bekommt, könnte mir gleich sein, vollkommen richtig. Aber wenn derjenige Flandern unter sich begräbt, haben wir ein Problem. Ganz abgesehen davon, dass ich es bei all meiner so nett vorangeschobenen Neutralität nicht gern sähe, wenn sich im Anschluss die nächtlichen Bewohner Deutschlands in sinnlosen Machtkämpfen gegenseitig zerfleischen und du dir ganz nebenbei ein richtig dickes Stück vom Kuchen holst. Es war nicht mein Problem aber die Umstände machen es jetzt zu meinem Problem. Und du als offensichtlicher Teil dieses Machwerks bist, Teil des Problems.“
Martin seufzte mit einem ironischen Unterton, der fast schwermütig klang. „Tse, tse, tse… heißblütig, wie immer. Vielleicht hätte euch mein Kamerad tatsächlich mit euch messen sollen? Manchen Männern soll es ja gut anstehen, wenn sie ihr Gemüt durch eine Schlägerei abkühlen können.“ Er zog die Augenbrauen in die Höhe. „Allerdings bin ich nicht bereit irgendetwas euch betreffend zu riskieren. Ich kenne einen Teil eurer Fähigkeiten und ich bin mir fast sicher, dass sie sich in den letzten 20 Jahren noch verbessert haben? Ihr gehört zu den ‚Tieren‘, da bin ich mir fast sicher. Was könnt ihr? Mit euren Klauen die Gitterstäbe zerreißen? Als Nebelwolke auf- und davonwehen? Als Ratte durch das Gemäuer huschen?“ Er lachte freudlos auf. “Ja, das traue ich euch zu.“
Er faltete die Hände wenige Zentimeter vor den Gitterstäben ineinander. „Für jemanden wie euch, der sich seiner Abstammung entsprechend, eigentlich neutral verhalten möchte, mischt ihr euch ziemlich oft in die Politik ein, findet ihr nicht?“ Der Blick der unnatürlich grünen Augen, ein ‚Geschenk‘ des Fleischformers Belinkov, musterten ihn, als wollten sie in sein Inneres sehen. „Was kümmert es euch, wer in Flandern auf dem Thron sitzt? Zwei wahnsinnige Schwestern, die sich selbst zerfleischen und dabei alle in den Abgrund reißen? Franzosen? Deutsche? Wartet ein paar Jahrzehnte, dann wird es wieder ein anderer sein. Das ist sicherer als das Amen in der Kirche. Eure menschlichen Schäfchen fressen, paaren und vermehren sich. Nahrung steht euch also immer zur Verfügung. Warum also diese Skrupel?“

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"Alea iacta est." oder "Die Würfel sind gefallen." - Lateinisches Sprichwort


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Verfasst: Sa 26. Jan 2019, 23:12 


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 Betreff des Beitrags: Re: Heiliges Land (Lucien)
BeitragVerfasst: Mo 25. Feb 2019, 15:43 
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Der Hauptmann lächelte ein freudloses, grimmiges Lächeln und nickte dem Bischof gespielt anerkennend zu. „Beachtlich, wie viel ihr doch mittlerweile von meiner Art zu wissen glaubt. Dafür, dass ihr uns doch so abgrundtief verachtet, zeigt ihr doch ein bemerkenswert großes Interesse an unserem Wesen und unseren so teuflischen Fähigkeiten. Aber wer kann es euch verdenken? Für jemanden der sich in so gefährliches Terrain begibt und jede Nacht mit dem Feuer spielt, ist es wichtig seine Paranoia zu pflegen. Ich kann euch versichern, dass ich euer geringstes Problem bin Bischof. Denn wenn, nicht falls, erst einmal die wahren Ungetüme der endlosen Nacht von euren kleinen Machenschaften Wind bekommen, rettet euch nicht einmal der feine Zauberhandschuh eures Untergebenen mehr.“ Lucien legte den Kopf schief und schnaubte kurz verächtlich.

„Ich bin nicht so dumm zu glauben, ihr hättet keine Vorbereitungen getroffen mich völlig ohne beschlagene Eisen oder massive Ketten, in diesem Käfig halten zu wollen. Allein schon die Tatsache, dass dieser Nathaniel mich nachts auf der Pirsch überrumpeln und geradezu kinderleicht pflocken konnte, riecht nach übernatürlicher Unterstützung. Und das Blut in diesen Karaffen, das gerade so eilig hinfort geschafft wurde, wird gewiss auch das meine sein, nehme ich an. Ich hoffe ihr übernehmt euch nicht Bischof. Die Welt da draußen hält bei weitem Schlimmeres vor uns Verborgen als wir beide es uns je vorstellen könnten. Ein Schwert, das man nicht kontrollieren kann, richtet sich stets gegen den Träger eure Eminenz.“ Der Gangrel zog sich erneut näher an die Gitterstäbe heran um die süffisant-arrogante Gestalt des Bischofs vor ihm, förmlich mit seinen grauen Augen aufzufressen. Es bestand kein Zweifel daran das er ihn gerne, ohne mit der Wimper zu zucken, erwürgt hätte.

„Gestattet mir eine Gegenfrage: Warum lehnt ihr euch denn nicht einfach passiv zurück und wartet darauf das Zeitliche zu segnen? Warum diese Machtspielchen, dieses Ringen um Wohlstand, Einfluss und die Intrigen der Politik, wenn ihr am Ende davon doch ohnehin nichts ins Grab mitnehmen könnt? Warum nicht stoisch sitzen bleiben und auf das Ende warten? Schlussendlich ist doch alles was ihr hier veranstaltet und wofür ihr eure Kräfte aufbietet sinnlos. Ihr könntet einfach eure paar sterblichen Jährchen abwarten und das Leben an euch vorbeiziehen lassen. Beantwortet diese Frage für euch selbst und schon erübrigt es sich, meine Motive zu hinterfragen. Wir könnten alle seelenruhig die Hände in den Schoß legen und warten, tun wir aber nicht.“ Er sah sich mit einem interessierten, einschätzenden Blick in seinem Gefängnis um, ganz so, als ob die Tatsache seiner Gefangenschaft nur ein vorübergehender Zustand wäre, bevor er wieder den Bischof fixierte.

„Also… wir wissen beide das ihr eure Finger im Spiel habt bei diesem Szenario und was es für mich und Flandern bedeuten würde. Was immer es euch bringen mag ist, wenn ich es mir recht überlege, eigentlich ziemlich unerheblich für mich. Was für mich zählt ist die Tatsache, dass ich euch und eure Verbündeten aufhalten werde. Und dann rechnen wir ab eure Exzellenz. Was immer wir für einen fadenscheinigen ‚Pakt‘ des gegenseitigen Nicht-Einmischens hatten, wurde jetzt recht offensichtlich von euch gebrochen. Ihr werdet also sicher verstehen können, dass ich euch nun bedauerlicherweise töten werde?“ Der Gangrel legte den Kopf schief und sah Martin eindringlich an. Seine Gesichtszüge waren hart und eisig geworden, wie der lange, unbeugsame Winter in Flandern vor nicht allzu langer Zeit.

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Through action, a Man becomes a Hero.
Through death, a Hero becomes a Legend.
Through time, a Legend becomes a Myth.
By learning from Myth, a Man takes action.
~Corazon~


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 Betreff des Beitrags: Re: Heiliges Land (Lucien)
BeitragVerfasst: So 3. Mär 2019, 22:32 
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Martin lachte amüsiert auf. „Den kleinen Fehler wieder gutmachen, der euch damals in Italien unterlaufen ist, oder? Einen halbwüchsigen Jungen um die Ecke bringen, der das Unglück hatte auf Versprechungen von eurer Art von Glück, Familie, einem Heim und etwas zu beißen zwischen den Zähnen zu haben hereingefallen ist und unglücklicherweise zu viel wusste? Immer wieder ein Problem mit denen, die zu viel wissen, nicht wahr?“ Er seufzte und es klang fast theatralisch. „Dann müsst ihr euch doch bestens in mich hinein versetzen können, Sabatier.“ Er machte eine den Raum umfassende Geste. „Ihr wisst zu viel. Deshalb seid ihr hier.“ Lucien konnte den Atem des schmalen Mannes riechen, der nach Anis und Kaffee roch. „Ich hätte euch so gern in eurem beschaulichen, behaglichen Brügge gelassen, aber ihr im Besonderen tendiert ja bekanntlich dazu, eure markante, gerade gewachsene Nase in jedwede Belange zu stecken. Genauso wie dieser junge Hexer, der stümperhaft wie ein junges Kalb versucht hat mich und meine Freunde auszuspionieren und dann bei euch Zuflucht gesucht hat. Er wusste leider auch zu viel, aber ich denke, das ist Berufsrisiko, wenn man es als Spion versucht und scheitert, nicht wahr?“ Er trat ein paar Schritte zurück, massierte dann sein Kinn als würde er nachdenken. „Ihr und eure Verbündeten hätten für immer und ewig in Brügge die nächtlichen Straßen durchwandern können, verstrickt in eure vampirische Machenschaften, aber nun müssen die anderen wohl leider einen neuen Hauptmann befördern. Bedauerlich…“ Er tat ein paar Schritte. „Andererseits: Euch steht doch die Ewigkeit offen. Meine Freunde haben großes Interesse an euereins, lieben es zu experimentieren, zu forschen… Sie werden euch nicht vernichten, sondern einladen an den Experimenten teilzunehmen. Das verschafft euch unendlich viel Zeit. Eines Tages, die Hoffnung bleibt euch auf ewig erhalten, vermögt ihr sicher zu fliehen. Wenn ich dann noch unter diesem Himmel wandere, …mögen mir doch Gott oder der heilige Asmodäus, so gnädig sein…, mögt ihr eure ewige Rache schwören und euch meiner annehmen. Die Tatsache, dass nicht ich es war, der euch gefangen genommen hat oder einen Befehl in diese Richtung gab, wird euch sicher nicht in eurer Entscheidungsfindung beeinflussen…“ Er zuckte mit den Schultern als bedauere er etwas alltägliches, nicht änderbares wie schlechtes Wetter.

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Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms.
Dante Alighieri


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 Betreff des Beitrags: Re: Heiliges Land (Lucien)
BeitragVerfasst: Di 5. Mär 2019, 22:40 
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Luciens Zähne begannen wie von unsichtbarem Zorn angetrieben zu knirschen und zu mahlen. Allein der Anblick des sich vordergründig so souverän und überlegen gebenden Martin waren wie glühendes Eisen auf seiner Haut. Ein Schlag ins Gesicht seines Stolzes und seiner wohlgenährten und gepflegten Rachegelüste. Er stand in einem ‚magisch‘ gesichertem Gefängnis und war nur eine Armeslänge davon entfernt die Sache ein für allemal zu beenden. „Tja was soll ich darauf schon antworten Herr Bischof? Ich im Besonderen habe offenbar einfach ein geradezu verfluchtes Talent dafür mit meiner so schön gerade gewachsenen Nase den stinkenden Mist zu riechen, der sich in regelmäßigen Abständen über meiner Domäne entladen will. Eure Manipulationen und Betrügereien versprühen dabei einen ganz besonders einprägsamen Duft eure Exzellenz. Und was den Spion angeht, so mögt ihr vielleicht zurecht von einem gewissen Berufsrisiko sprechen.“ Der Gangrel schnaubte verächtlich. „Aber sich lieber eines feigen Giftes zu bedienen, als sich dem Kampf zu stellen ist sogar für eure Verhältnisse wahrlich ehrlos Bischof.“ Seine grauen Augen funkelten verächtlich und seine Mundwinkel nahmen einen bitteren Zug an.

„Experimente? Das blasphemische Studium meiner Art?“ Der Hauptmann schüttelte angewidert den Kopf. „Andere vor euch haben schon den gleichen Fehler gemacht und teuer dafür bezahlt. Wie ich bereits sagte, macht ihr euch damit weit mehr Feinde als nur mich oder den Rat von Brügge. Weitaus mächtigere Feinde aber egal ob mich hier der endgültige Tod ereilt oder ich eine quälend lange Zeit habe meine Flucht vorzubereiten, ihr werdet auch ohne meine Anwesenheit genug Probleme bekommen. Früher war vielleicht nur die sterbliche Welt euer Schachbrett, jetzt fangt ihr an mit denen zu spielen, die das Spiel bereits Äonen vor euch gemeistert haben.“ Lucien schmunzelte. „Ihr werdet so oder so nicht genug Zeit haben, um es zu perfektionieren Bischof.“ Sein Kopf legte sich schief und musterte den Bischof erneut. „Und wenn ihr in dieses Attentat verwickelt seid, das euch gewiss große Vorteile bringen muss, warum sollte ich euch glauben, wenn ihr mir so inbrünstig beteuert, dass ihr es nicht ward, der meine Gefangenschaft befohlen hat? Wollt ihr mir weismachen, ihr wäret völlig unschuldig daran? Warum sollte ich euch das glauben und was für einen Unterschied würde es machen Bischof? Es würde nur bedeuten, das selbst ein Bischof Martin Verbündete sein eigen nennt, die ihm allmählich über den Kopf wachsen.“

Erneut folgte ein kurzes amüsiertes Lachen. „Der Befehl ging wirklich nicht auf meine Kappe, aber ich habe auch keine Anstrengung unternommen ihn zu widerrufen als ich erfuhr, dass ihr mir auf dem Weg ins heilige Land auf den Fersen wart. Ich muss zugeben: Es ehrt mich, dass ihr mich für so einflussreich haltet wie ihr gerade beschreibt, Sabatier. Bischof ist nur ein Titel… ein Amt, das einem Wege und Möglichkeiten frei macht, Instrumente in die Hand gibt, die man nutzen kann, wenn es einem dienlich ist. Aber betrachten wir es so wie es ist: Ich bin auch nichts anderes als ein simpler Diener… Nun ja… Ich habe Ambitionen, aber es dauert ein wenig bis man in der Hierarchie meiner Freunde aufsteigt. Das Bischofsamt ist nur Mittel zum Zweck.“ Er seufzte. „Als ich euch damals in Genua mit Hilfe dieses selbstlosen Kainiten Vito, der meinen Freunden mittlerweile, so wie ihr, sehr nahesteht, entkommen konnte, führte mich mein Weg nach Rom. Es gibt dort Mächte, die ihr euch nicht vorstellen könnt oder wollt, das sei euch versichert. Ich bekam die Möglichkeit dort zu…“ Der hagere Mann suchte nach einem Wort, probierte es im Mund wie einen seltsamen Geschmack. „… studieren. Ihr erwähnt mächtige Feinde, die meine ‚Freunde‘ aufsuchen werden. Damit rechnen diese und sind bereits sehr gespannt auf den Besuch. Sie haben alles vorbereitet für diese große Ehre. Leider wird die Abreise dieser ‚Alten‘, die ihr erwähnt, sich wahrscheinlich verzögern.“ Er zuckte mit den Schultern als würde ihn das nur am Rand tendieren.

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Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms.
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