Vampire: Die Maskerade


Eine Welt der Dunkelheit
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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Do 17. Mär 2016, 18:28 
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Karl griff zu seinem Schwertgehänge, dass fast achtlos auf dem Boden abgelegt worden war und schnallte es sich um. Er zog seine Stiefel fester und band den Mantel enger um die Schultern. Er sah Leifs skeptischen Gesichtsausdruck und beantwortete seine Aufforderung an die drei zusammen zu bleiben mit einem Schulterzucken und einem entschuldigenden Lächeln.

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„Vielleicht brauchst du einen Verbündeten an deiner Seite, der dir den Rücken freihält? Oder die Wachen ablenkt? Oder hasserfüllte Walküren von deinem Hals wegzerrt?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich bin zwar noch nicht in bester Verfassung… aber nichts desto trotz werd‘ ich alles mir mögliche unternehmen.“ Wieder maß er Leifs eher besorgten Blick. „Ich werd‘ auf mich aufpassen… Immerhin hab‘ ich von den Besten gelernt! Und ob es so viel sicherer ist hier zu sein, wenn der Schatten frei sein wird- nun..?“ Er sah zu Erik und Brunhild und ließ den Rest des Satzes unvollendet.
Brunhild nickte kaum merklich bevor sie zu ihrem Freund sah. „Vielleicht sollten Erik und ich nachkommen? Die Burg Flussfall müsste solange die Karfreitagsmitternachtsmesse in der Liebfrauenkirche gelesen wird,, so gut wie ausgestorben sein. Fast jeder Bewohner wird daran teilhaben und da die Herrschaft ebenfalls die Kirche aufsucht, wird auch die Bewachung deutlich geringer sein.“

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Verfasst: Do 17. Mär 2016, 18:28 


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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: So 20. Mär 2016, 09:20 
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"Ich kann und werde dich nicht aufhalten Karl. Du bist kein Kind mehr und kannst deine Entscheidungen selber treffen." Er nickte dem braunhaarigen Mann zu. "Bewaffne dich und zieh dir einen schwarzen Mantel über. Ich will diese ganze Geschichte trotzdem so heimlich wie irgendwie möglich über die Bühne bringen." Der Blick des Salubri schweifte zu Brunhild und Erik während er ein lautlosen Seufzen durch die Zähne ausblies. "Das gleich gilt für euch zwei, aber gebt uns trotzdem einen Vorsprung. Thyra kann euch spüren und sollte sie unter irgendeinem Einfluss stehen dann möchte ich den Moment der Überraschung nicht aufgeben." Leif wartete darauf, dass Karl zum Aufbruch bereit war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: So 20. Mär 2016, 23:28 
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Karl sah ausgesprochen erfreut aus nicht mehr Gegenwehr von Leif zu erhalten. Seine Handgriffe waren routiniert und geübt und mit selbst für Leif rasanter Schnelligkeit war der junge Mann trotz der Verletzung wenige Sekunden später fix und fertig bewaffnet an der Tür. Er nickte allen zu, dann schritt er zum Ausgang. Er wartete am Eingangsportal auf seinen Ziehvater und blickte fragend Richtung Stall. „Pferde?“
Dann begaben sie sich auf den Weg nach Flussfall. Der Weg war ungefähr drei Meilen doch sie kamen auf den ausgestorbenen Straßen schnell voran. Immer wieder anschlagendes seltsam melancholisches Glockengeläut rief in Erinnerung, dass überall in der Stadt der Grünndonnerstagsgottesdienst in die Karfreitagsmitternachtsmesse überging. Bald würden die Glocken endgültig verstummen und erst am Ostermorgen wieder zu tönen beginnen.
Karl war still. Er hatte sich auf sein Ziel konzentriert und ging in Gedanken eine Möglichkeit nach der anderen durch, die ihm einfiel. Ab und an wanderte sein Blick zu Leif und der Heiler wusste, dass Karl mit Sicherheit auch eine Menge Fragen an ihn haben mochte, doch jetzt war weder der Ort noch die Zeit dafür.
Schließlich lag die Festung Flussfall vor ihnen in der kühlen klaren Nacht.

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Die Tore waren wie es sich für diese Tageszeit gehörte geschlossen. Karl fixierte Leif und sah ihn fest an. Er griff dann nach einem dünnen Zweig und begann die ungefähren Umrisse der direkt ins Wasser gebauten Burg in die feuchte Erde zu zeichnen.
Er deutete auf mehrere Stellen. „Hier würde ich Wachen positionieren, wenn ich den Oberbefehl über diese Festung hätte.“ Fragend wanderten die hellen Augen zu Leif. „Irgendeinen Plan?“

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Mo 28. Mär 2016, 12:03 
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Leif wusste das es sich bei Flussfall um eine formidable Festung handelte. Von drei Seiten mit Wasser umschlossen, konnte sie zu einer Insel werden wenn man den Brücke des Burggrabens hochzog, was eine Belagerung mit traditionellen Methoden so gut wie unmöglich machte. Zum Glück wollten sie dem Sitz der Familie Ducrese nicht einnehmen, sondern ihr lediglich einen Besuch abstatten. Der Salubri betrachte die Zeichnung in dem feuchten schwarz-grauen Schlamm und nickte schließlich mit dem Kopf. “Unser größter Vorteil ist die Tatsache, dass wohl niemand mit einem Angriff rechnet. Die Zeiten sind friedlich und ich bezweifle stark, dass Jonarta zu viel Aufmerksamkeit auf ihre unheiligen Praktiken lenken möchte. Nicht mit Bischof Martin in der Nähe.” Leif nahm den Stock von Karl entgegen. “Hier.” Er machte ein kleines Kreuz am Burgtor. “Ich werde versuchen die Wachen zu umgehen indem ich die Mauern erklettere. Dann schicke ich die Wachen ins Reich der Träume und öffne das Tor für dich. Niemand wird wissen das wir je hier waren. Sollte es dennoch knapp werden, oder jemand auf mich aufmerksam werden kann ich ins Wasser springen. Da ich keine Luft brauche bleibe ich einfach unter der Oberfläche. Sollte das passieren muss ich eben improvisieren.” Leif begann seine Waffen abzulegen und in den Mantel zu wickeln. Er wollte sich nicht mit unnötigem Gewicht belasten, weder für das Klettern noch für eine potentiellen Ausflug in den Fluss.”Wünsch mir Glück Karl!”

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Di 29. Mär 2016, 10:31 
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Karl nickte und strich sich grübelnd über die Bartstoppeln am Kinn. Dann nahm er Leifs Gegenstände entgegen und verstaute sie in einem Bündel, das er sich auf den Rücken schnürte. „Guter Plan. Ich mach mich nützlich und lenk derweil den lieben Wachmann am Tor ein wenig ab. Dann hast du den Weg frei.“ Er überprüfte noch einmal den Sitz seiner Rüstung und seines Schwertes. „Wie sagt Brunhild manchmal: Glück und Tapferkeit sind zweierlei.“ Er griff nach Leifs Unterarm. „Als ich das zuletzt zu Thyra sagte, erwiderte sie grinsend: ‘Eines jeden Mannes Rücken ist ungeschützt; es sei denn, er hat einen Bruder.‘ Pass auf dich auf, Leif.“ Leif erinnerte sich an beide Redewendungen. Sie waren Teil der Grettir Sage, die er vor einer gefühlten Ewigkeit bei seiner ersten Fahrt nach Island vernommen hatte. Karl wartete einige Augenblicke bis Leif im Dickicht des Waldes verschwunden war, dann machte auch er sich auf den Weg.
Flussfall war eine mächtige Burg, die man zur besseren Verteidigung auf eine Insel gebaut hatte. Wenn man nicht über die Brücke direkt zum Haupttor schreiten wollte, musste man notgedrungen durch das kalte, schwarze Wasser schwimmen. Im Gegensatz zu den meisten Sterblichen des 13. Jahrhunderts konnte sich der Salubri mit Leichtigkeit über Wasser halten. Fast ebenso mühelos konnte er als geübter Kletterer die Burgmauer erklimmen. Wann immer er zögerte, gelang es ihm dennoch einen Stein unter den Fuß zu schieben oder mit den Fingerspitzen eine Erhebung im Fels zu tasten. Schließlich stand er nass aber erfolgreich auf dem kopfsteingepflasterten Platz in der Nähe der Stallungen. Er schlich langsam Richtung Torhaus zur Brücke und hörte dabei zwei Stimmen recht laut durch eine Luke in den dicken Holzplanken miteinander reden. Die klare, jüngere gehörte Karl, die ältere wahrscheinlich einem Wachmann. Dann erkannte Leif auch am Ende des von Hauswänden umschlossenen Eingangsbereichs den wohl 50 jährigen breitschultrigen Mann wohl 20 Meter vor ihm.
„Ich hab euch doch schon gesagt, von den Herrschaften ist gerade keiner hier. Auch wenn’s Karfreitag ist und keine Glocken läuten müsste euch doch klar sein, dass es mitten in der Nacht ist. Wenn ihr hier anwerben wollt, dann solltet ihr morgen wieder kommen. Unser Seneschall, Lamprecht, wird sich morgen eurer Belange annehmen. Wie war noch Mal euer Name?“
„Erwin von Gent. Könnt ihr ihm dann bitte dieses Empfehlungsschreiben überreiche, das mich als erfahrenen Wachmann und fähigen Kämpfer ausweist?“
„Klar, kann ich das machen. Zeigt mal her…“ Etwas Längliches wurde durch das winzige Fenster gereicht und der Wachmann begann langsam das Pergament zu entrollen. Mühsam besah er sich im Licht der einzelnen Fackel die Buchstaben. „R…e…chtnung … v…on… Ha….us va…n Bu..rs…e …“ Er stotterte und schien Minuten zu brauchen. Konzentriert fuhr er mit quälender Langsamkeit mit dem Zeigefinger über den Buchstaben, den er gerade zu entziffern versuchte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Mi 30. Mär 2016, 11:00 
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Leif liebte das Schwimmen und hatte es wie jeder andere Mann und auch jede andere Frau seiner Heimat bereits in jungen Jahren gelernt. Er wunderte sich immer wieder wenn er erfuhr, dass uralte Matrosen mit wettergegerbter Haut wie Leder, die über Jahre zur See gefahren waren Angst hatten ins Wasser zu fallen. Auf dem ganzen Weg durch das dunkle Wasser behielt der Salubri den Kopf unten. Es hatte seine Vorteile nicht atmen zu müssen. Schließlich hatte er sich orientiert und sah das Schauspiel vor ihm. Cleverer Zug von Karl dachte er sich im Stillen. Leif hatte sich entschieden. Er würde sich an den abgelenkten Mann anschleichen und ihn versuchen ins Land der Träume zu schicken. Selbst wenn ihm danach etwas komisch vorkommen sollte, würde der alte Wachmann wohl den Teufel tun irgendwem zu erzählen, dass er eingenickt war. Schließlich begab er sich langsam in Richtung des Mannes, berührte ihn am Arm und ließ seine Kräfte wirken.

(Schleichen: 5 Erfolge, Berühren: 5 Erfolge, Valeren 2: 3 Erfolge)

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Mi 30. Mär 2016, 17:40 
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Der Mann war durch das Schriftstück und Karl, der nach wie vor Belanglosigkeiten durch das Tor erzählte, völlig abgelenkt. „Wisst ihr, ich hab sogar schon bei den Grafen von Espen gedient? Letzten Winter als es in Gent zu Tumulten kam hat man eigentlich überlegt mich da hin mitzunehmen, aber dann hatte ich die viel wichtigere Aufgabe die fürstlichen Stallungen zu bewachen. Ihr wisst ja… das Haus Espen und ihre Pferde. Für die gibt es nichts Wichtigeres…“ Da seine Augen sich längst an das Fackellicht gewöhnt hatten sah der Wachmann den nächtlichen Schatten, der sich von hinten anschlich, nicht kommen.
Nur einen Lidschlag später sank er schlafend wie ein Betäubter in Leifs Arme und wurde ohne einen einzigen verdächtigen Ton zu erzeugen langsam zu Boden gleiten gelassen.
Leif hörte das leise Lachen seines Schützlings, der alles durch die kleine Lucke beobachtet hatte. „Das nenn ich mal heimlich… ich hätt dich selbst kaum bemerkt und ich war vorbereitet.“ Er konnte hören, wie Karl bereits seinen Rucksack abnahm und darin nach Leifs Sachen zu wühlen begann.

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Do 31. Mär 2016, 09:47 
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Das Manöver hatte geklappt, zum Glück dachte sich Leif. Er legte den alten Wachmann behutsam an eine Wand und nahm ihm den Schlüssel für das Mann loch ab um Karl einzulassen. Er wartete bis der braunhaarige Mann eingetreten war und flüsterte ihm dann zu. "Wir sollten zusammen bleiben. Ich will keine Überraschungen riskieren. Also dann wir sollten zuerst im Kerker nachschauen, wenn uns das nicht weiterbringt dann suchen wir die privaten Gemächer der Gräfin auf. Thyra wird sicherlich an einem der beiden Orte sein." Leif würde schließlich seine Sachen wieder entgegen nehmen. "Wir sollten uns beeilen. Ich vermute die Ostermesse wird nicht ewig dauern."

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Do 31. Mär 2016, 19:21 
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Karl nickte zustimmend. Er bugsierte den schlafenden Wachmann vorsichtig in eine winzige Wachstube und positionierte ihn so als wäre er dort auf einem Hocker, den Rücken an die Wand gelehnt, eingeschlafen. Er griff nach dem Pergament, das er der Wache überreicht hatte und schwenkte es grinsend in Leif Richtung. „Eine alte Rechnung von der Familie meines Vaters. Ich hab mal eine Eisenlieferung für Brunhild entgegen genommen und seit Alyssa auf genaueste Dokumentation bei der Wareneinfuhr und –abgabe bestanden hat, bekommt jeder so einen Wisch. Ob er jetzt will, oder nicht. So hat mir das Ding doch noch was genutzt.“ Er verstaute es in der Tasche und folgte Leif so leise wie es ihm möglich war dicht auf.
Unerkannt schlichen sie durch den Innenhof und waren nur eine Minute später am inneren Bereich der Burg, dem Wohnturm, angelangt

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Leif konnte auch hier eine Wache ausmachen, doch der Mann in dicht gewirkten Kettenhemd hatte eine Kerze und ein Kruzifix vor sich aufgebaut und betete leise mit gefalteten Händen.
Iesus autem dicebat
Pater dimitte illis
non enim sciunt quid faciunt

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Karls Mund nahm einen harten Zug an und er presste die Lippen aufeinander. Leif wusste, dass Karl mit allem, was die christliche Religion betraf so wenig wie irgendwie möglich zu tun haben wollte. Nichtsdestotrotz wusste der Salubri auch wenn das Gebet nur ein Flüstern war, was es bedeutete. ‚Jesus aber sprach: „Vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun.“‘
Es gelang ihnen sich mühelos vorbei zu schleichen. Religiöser Eifer war mitunter doch etwas Nützliches.
Im Inneren des Wohnturmes war es still wie wahrscheinlich zu keinem einzigen Zeitpunkt des Jahres. Nur das Geräusch ihrer Schritte auf dem steinernen oder dann und wann mit Binsen ausgelegten Fußboden gab einen Hinweis darauf, dass sich ein Wesen durch die Gänge bewegte. An den jeweiligen Ecken war ein schwaches Talglicht angebracht.
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Leif genau wie Karl hatten Schwierigkeiten den Weg zum Verließ auszumachen. Erst nach langem Suchen entdeckten sie eine Tür, die ihnen verheißungsvoll erschien. Es war in diesem Bereich im Gegensatz zum Rest der Festung fast nachlässig unsauber. Die Türen enthielten, wie Leif auffiel, feste Verschlußmechanismen und die Riegel waren jederzeit von außen zu schließen um jemanden am Fliehen zu hindern. Wer immer von dort unten einen Ausbruch plante, saß in der Falle, wenn er entdeckt würde.
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Leif trat näher an die Tür, die ins Innere des Kerkers führte, heran als sein Blick plötzlich eine Schale mit Früchten streifte. Weder der Käse noch die Trauben oder der Wein, den man hier vielleicht für einen Wachmann oder Küchengesellen deponiert haben mochten erregten seine Aufmerksamkeit, sondern das dicht gewebte bunte Tuch.

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Leif kannte den Stoff von irgendwoher. Er hatte ihn bereits irgendwann einmal gesehen. Dann fiel es ihm plötzlich wieder ein. Karls Mutter, Katharina, hatte den Stoff vor wohl 10 Jahren zur Winterszeit gewebt. Lange hatte der Ballen nachdem sie ins Kloster eingetreten war, irgendwo unter dem Dachboden gelegen bis Brunhild vor wohl zwei Jahren beschlossen hatte, dass das feine Tuch zu kostbar wäre um es auf Dauer vermodern zu lassen. Sie hatte daraus schließlich ein Wams und einen Schal angefertigt. Das Wams hatte Leif noch ab und an im Haus der nordischen Schildmaid gesehen, den Schal jedoch schon seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Während Leif kurz mit den Fingern über das feine Gewebe strich bemerkte er plötzlich ein Stück gebundenes Leder, das unter den Falten verborgen lag. Es handelte sich um eine mit einem winzigen Wachssiegel versehene Pergamentrolle. Leif konnte sie mühelos aufbrechen. Die Schrift war gerade und wirkte zwar geübt, aber unerfahren. Punktsetzung sowie Rechtschreibung waren perfekt. Diese Zeilen hatte jemand geschrieben, der wusste, was er tat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Drachen und Einhörner
BeitragVerfasst: Mo 4. Apr 2016, 11:56 
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Die Ausstattung und geschmackvolle Dekoration des Wohnturms sprachen für den Reichtum der Familie Ducrese. Sie waren schon immer wohlhabend und verdienten ein Vermögen aus den Erträgen der dunklen, schwarzen Erde die man ihren Ländern finden konnte, aber das war nicht alles. Weizen, Hafer, Dinkel, Gemüse und Früchte waren waren zwar das Rückgrat ihres Einkommens, aber auch die Brügge selbst trug dazu bei das ihre Kassen immer gut gefüllt waren. Ein Großteil der Straßen zur Stadt ging durch ihr Land und spülte deshalb nicht unerhebliche Wegzölle von all jenen Händlern in die Stadt, die nicht über das Wasser anreisten und aus dem Osten und Süden kamen. Leif blieb schließlich an der Tür stehen die offensichtlich zum Kerker führte und vergrub seine Hand nach kurzem Zögern in dem Tuch nachdem er es erkannt hatte. Katherina...Welch Zufälle und welche Geschichte mochten den Schal wohl heute hier her geführt haben? Dann sah Leif den Brief. Es war also doch kein Zufall gewesen irgendjemand wusste, dass sie kommen würden. Er brach das Siegel und seine Augen flogen über die wohl gewählten Worte. Wortlos reichte er den Brief an Karl weiter und wartete bis dieser fertig mit Lesen war und flüsterte seinem Verwandten zu. “Irgendwie glaube ich dem Verfasser dieses Briefes. Wir sollten die Anweisungen befolgen, denn wenn das eine Falle sein sollte hätten sie es sehr viel einfacher haben können. Lass uns die Weide suchen, je mehr wir erfahren desto besser für uns.” Leif ließ den Stoff in seiner Tasche verschwinden und suchte den Ausgang.

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