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Leif
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Verfasst: So 14. Feb 2016, 23:17 |
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Registriert: Fr 24. Jul 2009, 01:13 Beiträge: 1299
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Der Sonnenaufgang war bereits nah das konnte Leif in seinen Knochen spüren, aber um die Sonne würde er sich sorgen wenn es soweit war. Im Moment gab es dringendere Angelegenheiten. Der Nordmann betrat die kleine Kapelle und plötzlich sah er die vielen Kerzen und das flackernde Licht, welches die verbreiteten. Sein inneres Tier sträubte sich dagegen in das hölzerne Gebäude einzutreten. Alles könnte innerhalb von Minuten in Flammen aufgehen könnte, wenn das Feuer in eine falsche Richtung ausschlagen würde. Er riss sich aber mit aller Konzentration zusammen und versuchte die rote Furcht soweit wie möglich auszublenden. Schließlich sah er Erik und ein großer Knoten bildete sich in seiner Brust, der nichts mehr mit all den Kerzen und dem Feuer zu tun hatte. Schatten...Erik ohne einen solchen...Was hatte der Junge nur getan und vor allem warum?"
_________________ - Do not go gentle into that good night. Rage, rage against the dying of the light. -
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Verfasst: So 14. Feb 2016, 23:17 |
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Alida
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Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 09:39 |
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Registriert: Mi 17. Jun 2009, 20:52 Beiträge: 1343
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Erik sah zu Tode erschöpft aus. Der junge Mann war blass, seine Augen wanderten rastlos suchend an den Schatten entlang, die die Kerzen an die verrußten Wände der Kapelle warfen. Erschöpft ließ er sich wieder auf die steinernen Fliesen sinken, lehnte den Rücken gegen den Altar und vergrub für einen Moment das Gesicht in den Händen.  Dann wanderte der Blick seiner grauen Augen wieder zu Leif, Brunhild, Karl und blieb schließlich einen Moment länger an Thyra haften. „Ich…“ Erik suchte nach Worten und ihm schien nicht einfallen zu wollen, wie er anfangen sollte. „Danke, dass ihr hier seid“, begann er schließlich. Wieder verging eine Minute ohne dass er etwas sagte. „Ich will, dass ihr versteht, was geschehen ist, zu was ich mich durchgerungen habe, damit all das, der Fluch, der auf unserer Familie lastet, ein für alle Mal ein Ende hat… Es ist gerade erst drei Wochen her, doch für mich fühlt es sich an als wäre es ein anderes Leben… Ich hatte mich dazu entschlossen zu gehen, meiner Familie den Rücken zu kehren, weil ich nicht bereit war ihren Idealen zu folgen, nicht bereit meinen Anteil dabei zu haben und zuzusehen, wie sie sich selbst vernichtet. Ich wusste nicht, wo ich hingehen sollte und mir fiel nur eine Person ein, die bereit gewesen wäre mich aufzunehmen.“ Er sah zu Brunhild und nickte ihr dankbar zu. „In einer Nacht- und Nebelaktion sammelte ich meine paar Habseligkeiten zusammen, verließ Dänemark und bestieg ein Schiff, das über Brügge nach England unterwegs war. In den ersten Tagen verlief die Reise ohne Zwischenfälle. Nach einer Woche jedoch kamen eine junge adelige Frau und ihr wohl zehnjähriges Kind an Bord und von diesem Zeitpunkt an geschahen merkwürdige Dinge.“ Erik biss sich auf die trockenen Lippen, schluckte als ein Schatten an der Wand kurzzeitig wie die Konturen einer verhüllten Gestalt imponierte. „Seemänner verschwanden plötzlich des Nachts spurlos. Ab und an fand man Blutspuren, ein Mal ein Messer an dem noch Haut und Muskelfetzen klebten, aber nie eine Leiche. Manch ein Seemann berichtete von einer Raserei, von der er geträumt hatte, manch einer hatte Blutspuren an den Fingern, aber keiner konnte sich an etwas anderes erinnern und ich wusste, dass sie die Wahrheit sprachen. Mir fiel auf, dass meist diejenigen fort waren, die zuvor versucht hatten mit der Adeligen, die bis auf ihre Tochter allein reiste, zu schäkern, ihr bewundernswerte Blicke hinterhergeworfen oder sie offen mit zotigen Zweideutigkeiten in Verlegenheit gebracht hatten. Ich begann Fragen über die Dame zu stellen und sie im Auge zu behalten. Ihr Name war Jonarta von Cramm, der ihrer Tochter Mira. Nach dem Tod ihres letzten Gatten war sie nun einem Brügger Edelmann zum Weib versprochen und auf dem Weg in diese Stadt um die Ehe einzugehen. Sie war wunderschön, langes blondes glänzendes Haar, blaue Augen von der Farbe des Himmels mit der Gestalt einer jungen Birke aber ihre Präsenz…“ Wieder schluckte der junge Mann. „Ihre Präsenz war ‚böse‘. Eines Abends beobachtete ich, wie sie das Mädchen aus ihrer Kajüte zerrte. Das Kind weinte und Panik stand in seinen Augen, doch die Mutter war unerbittlich. Sie schleifte es hinter sich her unter Deck und sperrte es in eine winzige Ladekammer, die sie abschloss und zusätzlich mit einem schweren Fass versperrte. Ihre Worte waren nur: „Mädchen wie du, die ihrer Mutter nicht brav gehorchen, bekommen ihre gerechte, von Gott gewollte Strafe. Sie werden allein im Dunklen eingesperrt. Wart’s nur ab: Vielleicht wird dich heute Nacht der schwarze Mann holen. Er ist schon ganz nah.“ Obwohl ich spürte, dass sie die Wahrheit sprach, dass wirklich eine Präsenz aus den Schatten hervorzukriechen begann, stellte ich mich ihr in den Weg und verlangte, dass sie das Kind sofort herauslassen solle. Sie lächelte nur zuckersüß und winkte eine Gestalt, die sich mir, ohne dass ich sie gesehen hätte, in meinem Rücken genähert hatte zu sich heran. Ich wandte mich um und blickte in einen Abgrund, in schwärzeste Nacht. Der Schatten bildete ein Gesicht. Dann spürte ich, dass er nach mir tastete, dass er versuchte von mir Besitz zu ergreifen, die Kontrolle über mich erlangen wollte. Ich spürte eine blinde, rasende Wut, die sich in mir auszubreiten begann, doch schließlich gelang es dem Dämon nicht, denn wie auch immer er es anzustellen versuchte, seine Kraft lief durch mich hindurch zu ihm zurück. Ich spürte, dass es ihn schier wahnsinnig machte mich nicht besitzen zu können. Er sandte mir entsetzliche Bilder zu, von Liebespaaren, bei denen die Frau ihrem Geliebten die Kehle durchschnitt, von einem Großvater, der sein Enkelkind mit einem Kissen erstickte, die Gefühle eines Mannes, der mit der Axt seine ganze Familie abschlachtete. Und in diesem Moment wusste ich, was für ein Dämon vor mir stand, von welcher Art dieser Schatten war…“ Während Erik seine Schwester fest ansah bemerkte Leif den Schatten, der über das Hauptportal langsam auf den jungen Mann zu zukriechen begann. Er wandte sein verzerrtes Gesicht Brunhild zu und das schwarze Antlitz nahm die Züge der Kriegerin an. Der Schatten kroch in Richtung der kleinen Gruppe, doch er wich mit einem Mal zurück als hätte er sich verbrannt als er dem Licht einer Kerze zu nahm kam. Erik nahm den Schatten aus dem Augenwinkel war, versuchte ihn jedoch zu ignorieren. „Ja, dieser Dämon ist derjenige, der unseren Urahn zu dieser schrecklichen Tat antrieb, die zur Auslöschung fast unserer gesamten Familie führte, der das Wesen der Thorsons für immer verändert hat, der uns nach wie vor mit seinem Schatten vergiftet.“ Erik legte die Hand auf den Knauf seines Schwertes, ließ sie dann jedoch wieder sinken. Gegen einen Schatten konnte keine Waffe der Welt etwas ausrichten.  „Ich sah Jonarta von Cramm an und fragte sie, was mit dem Dämon geschehe, wenn ich sie töten würde. Sie erklärte, dass nichts mit ihm geschehen würde, dass er Rache üben würde… aber ich spürte, dass sie log. Ich spürte die Antwort, konfrontierte sie in diesem Moment unter Deck mit allem, was ich dachte und sie bestätigte mir meine Vermutung: Sie hatte sich mit dem Dämon verbündet, war eine Symbiose mit ihm eingegangen, hatte ihm ihren Schatten geschenkt und im Austausch seine Macht erhalten. Die Macht über Leben und Tod, über Menschen, die sie als Bedrohung ansah oder einfach nicht um sich haben wollte. Er erhielt über sie, über ihre Lebensenergie, die Kraft seine Existenz fortzusetzen. Und ohne die Kraft der Person mit der er verbunden war, würde auch seine Existenz verlöschen. In diesem Moment wusste ich, was ich zu tun hatte. Ich trat auf sie zu und verlangte den Dämon. Ich wollte die Kontrolle über dieses Monster um es ein für allem Mal besiegen zu können, es ein für alle Mal von der Erdoberfläche zu tilgen…“ Der Schatten kroch näher, fixierte diesmal Karl, der mit vor Entsetzen geweiteten Augen die Szenerie beobachtete und einen Schritt nach hinten trat als ihn mit einem Mal sein eigenes schwarzes, boshaft grinsendes Ebenbild anblickte. Thyra riss ihn sofort zurück so dass er nicht aus dem Lichtkreis heraus geriet. Erik senkte den Blick. „Ich drohte Jonarta an, sie zu töten, wenn sie den Dämon nicht frei gab. Schließlich gab sie nach. Sie trat auf mich zu, presste ihre vollen Lippen auf meinen Mund und küsste mich mit einer tödlichen Leidenschaft. Süß und bitter wie Gift schwappte die Präsenz des Dämons auf mich über, verband sich mit meinem Körper nahm schließlich sein Pfand entgegen: meinen Schatten. Ohne ihre Tochter aus ihrem Gefängnis zu befreien verschwand Jonarta in der Nacht. Ich ließ das Kind heraus und kümmerte mich in den nächsten Tagen um es, versuchte es zu beruhigen. Das Mädchen war völlig verstört. Schließlich trat Jonarta bei Tag wieder auf mich zu, verlangte ihre Tochter zurück und obwohl das Mädchen Angst hatte, nicht zurück wollte, konnte ich es Jonarta nicht verwehren. Schließlich ist sie die Mutter…“ Erik erhob sich mühsam und betrachtete mit stoischer Miene doch Angst geweiteten Pupillen wie der Schatten mit dem Gesicht von Karl sich weiter aufrichtete und näher kroch. „Am Anfang wusste ich nicht, zu was der Dämon im Stande war, doch als ich in Brügge von Bord ging begann ich zu begreifen. Er tötet all jene, er für eine Gefahr für mich hält. Er spürte bereits in der ersten Nacht meine Angst von Mitgliedern meiner Familie oder deren Kundschaftern gefunden und zurück nach Dänemark gebracht zu werden. Daraufhin begann er alle Nordmänner aus unserer Heimat zu vernichten. Er übernimmt mühelos die Kontrolle über den Geist eines schwachen Menschen und lenkt diesen, so dass er zum Werkzeug seines Mordes wird ohne sich im Nachhinein daran zu erinnern. „ Der Junge wischte sich über die müden Augen. „Ich wusste, was ich zu tun hatte, zu tun habe, aber ich zögerte, war zu feige, es gleich zu tun. Ich wurde von einer Wirtsfrau, die ihren Sohn im Krieg um diese Stadt verloren hatte, und die mehr gutes Herz als Verstand hat, aufgelesen und aufgenommen. Ich mied es das Handwerkerviertel aufzusuchen um Brunhild nicht zu gefährden...“ Der Schatten war mittlerweile direkt am Altar angekommen und baute sich wie eine schwarze Mauer vor ihm auf. Beide standen sich gegenüber Erik sah Thyra an und so wie er sein Gesicht zu seiner Schwester wandte, drehte sich auch die Fratze des Schattens in deren Richtung. Thyra trat mit wilder Entschlossenheit einen Schritt auf ihren Bruder zu und diesmal war es Karl, der sie am Arm zurückhielt. „Nein, Erik. Das darfst du nicht tun. Du bist mein Bruder. Das kannst du nicht!“ Der blonde Mann schüttelte langsam das Haupt. „Doch Thyra. Ich kann und muss. Sobald ich in der nächsten Nacht die Kraft dazu habe… Du weißt, dass es sein muss. Damit der Schwur erfüllt ist, unsere Pflicht erfüllt wird, damit wir frei sind… damit auch du frei bist.“ Das Mädchen versuchte sich aus dem Griff von Karl zu befreien, doch der Knappe hielt sie noch fester, presste sie schließlich gegen ihren Willen an sich. Sie fixierte jetzt den Schatten, der sich ihnen bis auf einen Meter näherte. „Du verdammtes, verabscheuenswürdiges Scheusal. Verschwinde! Lass meinen Bruder und unsere Familie in Ruhe.“ Wieder folgte ein trauriges Kopfschütteln von Erik. „Er kann nicht. Er ist an mich gebunden. Wir sind eins.“ Grinsend wandelten sich die Züge des Schattens zu denen des Mädchens und Karl verstärkte seine Umklammerung. „Möge Hel dich holen und für immer vernichten.“ Das Gesicht des Dämons wurde zu dem von Karl. Thyra schrie den Schatten an. „Vermaledeite Kreatur! Zeig uns endlich dein wahres Gesicht!“ Die schwarze Gestalt legte den Kopf schief, blickte zu Leif. Dann nahm das Gesicht eine Form an bei deren Anblick Thyra scharf die Luft einsog. Es bildete sich ein markantes Kinn mit dem Schatten eines Grübchens, prominente Wangenknochen, ebenmäßige Lippen, eine unverkennbare Nase, gerade nachdenkliche Augenbrauen, eine hohe Stirn: das unverkennbare Antlitz ihres Urahns.“ Sie wich einen Schritt zurück und zog, auch wenn sie wusste, dass es vergebens war, die Klinge, die im Kerzenschein wie Sonnenlicht schimmerte.
_________________ Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms. Dante Alighieri
Zuletzt geändert von Alida am Sa 27. Aug 2016, 10:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Leif
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Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 12:11 |
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Registriert: Fr 24. Jul 2009, 01:13 Beiträge: 1299
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Das Schauspiel und die Offenbarungen, die sich hier gerade entfalteten waren schlimmer, als Leif sich in seinen dunkelsten Träumen ausgemalt hatte. Welch Wahnsinn hatte seinen Nachfahren gepackt sich diesem Schatten zu ergeben? Er hatte ein gutes Herz, sich aber mit etwas eingelassen das größer war als er und nun drohte ihn zu verschlingen, sowie alle die ihm wichtig waren - oder sich ihm in den Weg stellten, was in diesem Fall auf die gleiche Personengruppe hinauslief. Leif trat auf den Schatten zu versuchte die anderen hinter sich abzuschirmen und zog seine Klinge, die zwar nutzlos gegen das Biest sein würde ihm aber ein Gefühl von Sicherheit verlieh. Schließlich überwand er mit Konzentration und Anstrengung seinen Instinkt und hob zusätzlich noch eine der Kerzen vom Boden auf. Er wandte sich mit lauter Stimme an die Entität die sich vor ihnen allen aufbaute, wobei er sich nicht von seinem eigenen Gesicht ablenken ließ, denn die Kreatur hatte ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten sowie die Tendenzen zu Irreführung und Betrug bereits unter Beweis gestellt.  “Ich fürchte dich nicht Schatten! Mein Herr Balder, der Gott des Lichts wird mich beschützen.” Dann schritt er in Richtung des Altars während er die Kerze weiter in Richtung des Schattens hielt. Leif’s nachfolgende Worte waren laut, er schrie beinahe, aber sie waren nicht mehr an den Schatten sondern an Erik gerichtet, der wie ein Häufchen Elend vor dem Altar lag. “Hast du es noch nicht begriffen Kind von Vidarr? Es gab nie einen ‘Dämon’ oder einen ‘Fluch’ der über eure Familie verhängt wurde. Alles was dir und deinen Vorfahren widerfahren ist, lässt sich auf die mangelnde Beherrschung eines einzigen Mannes zurückführen und der Entscheidung seiner Nachfahren Rache für alles was daraus resultierte zu schwören. Für die Taten eines Mannes der dachte etwas unter Kontrolle zu haben, der aber am Ende von seinem eigenen Hochmut überlistet wurde. Dabei wurde etwas Wahnsinniges, ähnlich einem tollwütigen Tier gefangen in Herz und Seele befreit um ohne Rücksicht zu morden und ohne den kleinsten Funken Gnade oder Hoffnung zu gewähren.” Leif ging weiter in Richtung seines Verwandten und bemitleidete den Jungen der sich all dem Horror für nichts ausgesetzt hatte. Es gab nämlich keinen Dämon der ihn damals zwang seine Familie auszulöschen. Lediglich der Kontrollverlust über das eigene Tier und über den Fluch der ihn an diese Welt der Dunkelheit band. “Der Rest sind Märchen, Geschichten und Legenden um die eigenen Taten, ja die eigenen Entscheidungen zu untermauern und zu rechtfertigen! Siehst du nicht was hier gerade passiert? Du tappst in die gleiche Falle wie dein Vorfahr. Du denkst du kannst eine Macht Kontrollieren die du nicht verstehst und dabei bringst du aber nichts als Tod und Vernichtung mit dir. Grausamer Schmerz geboren aus guter Absicht, Unvorsicht und Hochmut.” Sobald Leif bei dem jungen Mann ankam würde er ihm die Hand ausstrecken. Er sprach schnell, denn er wusste nicht wie viel Zeit ihnen noch blieb. “Ich weiß nicht was dieser Schatten oder Gestaltwandler wirklich ist. Es mag ein Wesen aus der Hölle der Priester des gekreuzigten Gottes sein, oder ein verfluchter Abkömmling des Loki mit dem Ziel Chaos zu stiften.” Leif schaute Erik in die Augen und würde versuchen ihn auf die Beine zu ziehen. Seine Stimme war fest und von beinahe befehlender Gewalt. “Gib den Dämon an mich weiter und mach das du hier wegkommst. Es gibt keinen Grund dein Leben für etwas wegzuwerfen, was dir oder deiner Familie nicht einmal die Freiheit schenken würde die du so herbeisehnst. Denn diese Freiheit von der du die ganze Zeit sprichst könnt ihr, die Kinder von Vidarr euch nur selber geben. Dazu ist kein Dämon, Wiedergänger oder Schatten in der Lage, sei er lebendig oder tot.” Leif hielt ihn fest und nickte ihm auffordernd zu. Einmal, zweimal oder dreimal verflucht - welchen Unterschied machte das schon? Er wusste nicht ob er dem Dämon würde widerstehen können, wahrscheinlich nicht - aber er sollte verdammt sein wenn er sich seinem Einfluss kampflos ergeben würde. 
_________________ - Do not go gentle into that good night. Rage, rage against the dying of the light. -
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Alida
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Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 15:33 |
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Registriert: Mi 17. Jun 2009, 20:52 Beiträge: 1343
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https://www.youtube.com/watch?v=2UeA9Nus9EgLeif schritt mit der einzelnen Kerze auf den Jungen und den Schatten zu. Es war allerdings unmöglich mit einer einzelnen Kerze in der Hand keinen Schatten zu erzeugen und in der ersten Sekunde in der eine winzige dunkle Verbindung zwischen der finsteren Gestalt neben Erik und Leifs Schatten entstand umhüllte das Wesen bereits seinen Körper mit dunklen wabernden Schlieren. Leif spürte, wie es Einlass begehrte, wie es in ihn wollte, Herr über seinen Körper, seine Seele werden würde. Eiseskälte drang über seine Augen, Ohren, den Mund in sein Innerstes, suchte eine Verbindung zu seinem Geist und Leif musste sich mit allem Willen dagegen stemmen um nicht zurückzuweichen und sich dem Dämon vollständig zu ergeben. Der Salubri hörte die entsetzte Stimme von Karl hinter sich. „Lei… Nein! Tu das nicht!“ Noch immer wand sich das verzweifelte Mädchen in seinen Armen. Leif wusste genau, am liebsten hätte sich der Knappe entgegen jeder Vernunft mit Schwert und Schild an seine Seite begeben und die Aussicht hilflos in diesem Lichtkreis gefangen zu sein während sein Freund diesen wohl aussichtslosen Kampf bestritt, ließ ihn schier wahnsinnig werden. Der Heiler hörte über sich das Toben des Sturms, der wieder eingesetzt hatte und mit unvorstellbarer Heftigkeit an den Holzschindeln zu reißen begann, so dass sich einige lösten. Ein ohrenbetäubender Donner machte ihm schlagartig klar, dass direkt neben der Kapelle ein Blitz eingeschlagen haben musste. Erik ließ sich von Leif aufhelfen und bei der Berührung der Hände spürte der Heiler wieder die seltsame Bindung, die sich für diese wenigen Sekunden aufzubauen begann. Es war eine einzige unausgesprochene Frage, die sich auch in den Augen seines Nachfahren widerspiegelte. Bei Leifs Aufforderung den Dämon an ihn weiterzugeben fühlte Leif, wie das Pulsieren der Schatten Gestalt um ihn herum an Kraft zunahm. Die freudige Erwartung des Dämons war fast greifbar. Das war genau das, was er wollte Erik lächelte er nur schwach, kurz vor der endgültigen körperlichen Erschöpfung. „… Du hast keine Ahnung worauf du dich einlässt. Mit deiner Macht, deinem Schatten, vernichtet er die ganze Stadt in einer einzigen Nacht.“ Er schloss die Augen als ein Blitz in den Glockenturm einschlug und eine gewaltige Windböe ihnen eiskalten Regen entgegen schleuderte. Als er die Lider wieder hob sah er zu seiner Schwester und schüttelte kaum merklich den Kopf. Er öffnete die Hände wie Priester es zu tun pflegen um einen göttlichen Segen zu erflehen, senkte den Blick und sog tief die Luft ein. Der Schatten verlor seine Kontur und wurde zu einer undurchdringlichen Wolke, die Erik und Leif einhüllte. Dann begann sie mit dem Jungen zu verschmelzen, drang über seinen Mund, die Nase und die Augen in ihn ein. Erik zuckte und wand sich als hätte er grauenhafte Schmerzen. Langsam verschwand das Monster und zu Füßen des Jungen bildete sich ein harmloser Schatten. Er brach zusammen und verlor das Bewusstsein. Leif konnte spüren, dass draußen die Sonne aufging und nur das Unwetter, das draußen tobte verhinderte das Eindringen der hellen Strahlen. 
_________________ Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms. Dante Alighieri
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Leif
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Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 18:03 |
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Registriert: Fr 24. Jul 2009, 01:13 Beiträge: 1299
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Innerhalb einer halben Bewegung kniete Leif schon neben Erik und versuchte dessen Herzschlag zu spüren. Sobald er fühlte das dieser noch am Leben war, würde er sich erlauben weiterzudenken. Viele Dinge waren in den letzten Minuten geschehen. Plötzlich und zur gleichen Zeit, offensichtlich nur um noch eine Menge weiterer Fragen aufzuwerfen. Er hatte gespürt wie um ihn herum kurz alles auf einmal schwarz wurde und erinnerte sich mit Schrecken daran. Dieser verdammte Schatten war mächtig und der Salubri spürte wie seine eigenen Reserven langsam zur Neige gingen, was allerdings nicht nur am hereinbrechenden Sonnenaufgang lag auch wenn es den Prozess beschleunigte. Die Sturmwolken schirmten die todbringenden Strahlen noch ab, aber wie lange? Leif blickte auf den bewusstlosen Erik und den nicht mehr vorhandenen Schatten der für den Moment gebannt zu sein schien. Oder sich in den Jungen zurückgezogen hatte, aber damit musste er sich später befassen. Das einzige was er im Moment noch tun konnte war sich zurück zu ziehen und dafür brauchte er eine Zuflucht. Er hoffte inständig das Kapelle eine Krypta hatte, ansonsten blieben ihm nicht viele andere Optionen. Mit einigen schnellen Bewegungen ging er in Richtung des Altars. Brunhild und Karl würden seine Beweggründe dafür schon verstehen. Mit jeder Minute die verstrich spürte er trotz der Sturmwolken die aufgehende Sonne ein wenige mehr und fühlte wie seine Kräfte schwanden. 
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Alida
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Verfasst: Mo 15. Feb 2016, 20:49 |
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Registriert: Mi 17. Jun 2009, 20:52 Beiträge: 1343
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Während Leif sich zum Altar begab, rannte Thyra zu ihrem Bruder. Sie warf sich neben ihm auf den Boden, rüttelte an seinen leblosen Schultern und vergrub ihre Finger, als sie ihn nicht wach bekam, fest in seinem Arm. „Du verdammter Idiot! Erik? Komm schon, wach auf!“ Leif sah, dass sie weinte. Karl trat näher und legte ihr schweigend die Hand auf die Schulter. Der braunhaarige Knappe war noch immer viel zu geschockt um etwas zu sagen.  Brunhild kniete sich ebenfalls neben ihrem Sohn hin, strich ihm über die fiebrige Stirn und wandte dann das Gesicht zu Leif. Sie erfasste mit einem Blick auf den Salubri, wie es um ihn stand. Sorgenvoll betrachtete sie das Dach aus dem dutzende Holzschindeln herausgerissen waren und durch die der strömende Regen nun herniederklatschte. Sie nickte ihm zu und erhob sich. Die blonde Kriegerin strich sich die Haare zurück und gab Karl ein Zeichen. Sie deutete auf Erik. „Versuch ihn zu tragen! Wir müssen hier weg.“ Dann begann sie nach einer Krypta oder dergleichen zu suchen. Der Knappe bückte sich zögernd. Der Gedanken schien ihm nicht zu behagen, die Haut, die vor wenigen Minuten noch von einem Dämon berührt worden war, anzufassen. Schließlich gab er sich einen Ruck und legte sich den bewusstlosen, breitschultrigen Nordmann um die Schultern. Er hatte Schwierigkeiten sich aufzurichten.
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Zuletzt geändert von Alida am Sa 27. Aug 2016, 10:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Leif
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Verfasst: Di 16. Feb 2016, 16:47 |
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Registriert: Fr 24. Jul 2009, 01:13 Beiträge: 1299
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Die Sonne war nun aufgegangen und die bleierne Müdigkeit legte sich über Leif. Er schaffte es noch für ein paar Herzschläge sich gegen den Schlaf zu wehren und suchte nach der Krypta des Gotteshauses oder etwas anderem das sich als Unterschlupf für den Tag eignen würde. Schließlich aber kollabierte er irgendwann auf dem Boden der Kapelle. Alles wurde Schwarz und das letzte was er sehen konnte, war der Boden der kleinen Kirche der immer heller wurde und auf dem sich langsam das Wasser des Regens sammelte. Das Toben des Sturms war schon nicht mehr als eine Erinnerung als ihn die Dunkelheit gänzlich umhüllte.
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Alida
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Verfasst: Di 16. Feb 2016, 21:15 |
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Registriert: Mi 17. Jun 2009, 20:52 Beiträge: 1343
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Wie im Traum hörte er eine Stimme, die ihm vage bekannt vorkam. „Thyra, hilf mir! Da lang“ Ewigkeiten schienen zu vergehen. Gesichter und Bilder tauchten vor seinem inneren Auge auf um wieder in den Schatten zu versinken, Menschen, die er mit irgendetwas verband nur um im nächsten Augenblick den kaum spürbaren Faden zu ihnen zwischen den Fingern hinweggleiten zu spüren. Er fragte sich woher er sie kannte, was ihm die Bilder sagen müssten, aber es gelang ihm nicht.          Am Ende war da nur eine Stimme, die noch im Dunkeln seiner Träume zu hören war. Das erste Mal, dass er sie gehört hatte, verbunden mit so viel Schmerz, fast mehr als er je zu einem anderen Zeitpunkt seiner Existenz hatte erdulden müssen. „Zögre nicht Asborn! Bring es zu Ende!“. Flammen, Feuer und sengende Hitze. Das zweite Mal, dass er ihr begegnet war. Er hörte ihren Ruf. „Oh wie lang hab ich auf diesen Augenblick gewartet, Dämon…“ Er spürte noch immer die Schneide des Schwertes an seiner Kehle als sie nur einen winzigen fingerbreit vor seiner Kehle die Waffe angehalten hatte. Und das dritte Mal, dass sie aufeinander getroffen waren. Wieder um zu kämpfen doch dieses Mal miteinander für ein erbittertes Ziel, gegen einen gemeinsamen Feind. „Ich wusste, dass ich dich hier finden würde, Leif.“  Leif schlug die Augen auf und bemerkte wie dunkel es um ihn herum war. In wohl fünf Metern Entfernung brannte eine einzelne Kerze und tauchte die dunklen Felswände in graues Licht.  Leif befand sich in einer Höhle, die man offensichtlich aus dem Stein herausgeschlagen hatte. Sie kam ihm vage bekannt vor. Dann erinnerte er sich. Der Keller unter der Hütte von Lucien im Wald. Ihm gegenüber, neben der Kerze, saß Brunhild auf dem bloßen Steinboden, hatte die Beine angezogen und beobachtete ihn. Ein nachdenkliches Lächeln huschte über ihre Züge als sie erkannte, dass der Kainit erwachte. „Auch wenn es jede Nacht so sein mag hat es für mich doch stets etwas Befremdliches dich wie tot bei Tag da liegen zu sehen.“ Sie erhob sich, beließ die Kerze an ihrem Platz, trat näher zu ihm heran und ließ sich neben ihm gegen die Wand sinken. Sie griff kurz nach seiner Hand und Leif spürte die warme Haut in krassem Gegensatz zu seinem eigenen untoten Fleisch.  „Ich habe Erik mit Karl und Thyra zu uns nach Hause zur Schmiede geschickt. Nachdem er gegen Nachmittag erwacht ist ging ihm ziemlich schlecht. Er hat sich mehrfach übergeben und gefiebert. Bei uns zu Hause gibt es Medizin und ich hab Karl angewiesen, was er zu tun hat. Falls Thyra und Karl auf mich gehört haben, befindet sich Erik ist mit allem was wir an Kerzen aufzubieten haben, in Karls Zimmer. Ich hoffe, das hält den Dämon vorerst in Schach…“ Sie zog die Knie an. „Er hat gesagt, er möchte mit dir reden. Worüber auch immer, ich hoffe, es hält ihn vorerst davon ab, das zu tun, was er vorhatte…“ Brunhild senkte den Blick. Es war schwer ihre Miene zu lesen. Trauer? Schuldbewusstsein? Nachdenklichkeit? Oder einfach nur bleierne Müdigkeit?
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Zuletzt geändert von Alida am Sa 27. Aug 2016, 10:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Leif
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Verfasst: Mi 17. Feb 2016, 11:33 |
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Registriert: Fr 24. Jul 2009, 01:13 Beiträge: 1299
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Leif erwachte und war für einen Moment, verwirrt von all den Bildern und Personen in seinem Kopf. Wo war er gerade aufgewacht? Langsam orientierte er sich und die Anwesenheit von Brunhild gab ihm eine gewisse Sicherheit bezüglich allem was gerade um und in ihm passierte. Er lauschte ihren Ausführungen und versuchte sich ein wenig umzuschauen, auch wenn ihn eine ganze Menge Fragen im Kopf herum schwirrten. War das Gewitter von Thyra oder Erik heraufbeschworen worden? Was genau wollte der Schatten eigentlich? Aber all das hatte noch einen Moment Zeit. “Die Tagstarre eines Kainiten lädt in der Tat nicht gerade zum kuscheln ein Brunhild. Aber wenigstens sabbere ich nicht mehr im Schlaf. Man muss eben die positiven Seiten zu schätzen wissen.” Er nickte schließlich bezüglich ihrer weiteren Ausführungen und begann dann zu sprechen. "Die Hütte von Lucien." Er schaute sich in der um. "Wie...wie bin ich hierher gekommen? Und wie habe ich es geschafft ohne ein Haufen Asche zu werden?" Er richtete sich schließlich langsam auf und schaute Brunhild lächelnd an. "Eigentlich spielt es ja auch keine Rolle. Danke das du dich um mich gekümmert hast." Leif fühlte sich schwach und merkte, dass es nicht mehr lange dauern würde bis er hungrig wäre. "Wir müssen in die Stadt aufbrechen und versuchen diesen Schatten unter Kontrolle zu bekommen...Aber vorher muss ich jagen gehen. Dann schauen wir nach Erik. Vielleicht kann ich irgendetwas tun, denn ich mache mir Sorgen um seinen Zustand. Wir müssen ihn von diesem Stress und dieser Belastung befreien." Dann nahm er noch einmal Brunhilds Hand. Sie war immer warm mehr sogar als ein normaler Mensch, so als hätte sie ständig ein leichtes Fieber. Wahrscheinlich lag es an ihren Fähigkeiten, aber Leif beruhigte ihre Wärme immer. "Sag mal Brunhild wie steckst du das eigentlich alles weg? Bist du überhaupt dazu gekommen etwas zu schlafen? Die letzten Tage waren zwar für uns alle anstrengend, aber ich bezweifele das du dir ein Wiedersehen mit Erik und Thyra so vorgestellt hast.” Er drückte die Hand. “Du weißt ich bin niemand der überschwänglich seine Gefühle bekundet, aber ich will das du weißt das ich das mit dir zusammen durchstehe bis es vorbei ist. Egal wie es ausgeht, was es kostet oder was getan werden muss. Ich passe auf dich auf Brunhild.” Die Flut von Bildern die Leif im Schlaf gesehen hatte fiel ihm wieder ein. “Wir haben so viele herausfordernde Jahre hinter uns. Wir haben uns ein bisschen Frieden verdient und genau das werden wir diesem Schatten klar machen.”
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Alida
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Verfasst: Mi 17. Feb 2016, 18:46 |
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Registriert: Mi 17. Jun 2009, 20:52 Beiträge: 1343
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Brunhild atmete tief ein, hielt die Luft lange in den Lungen bevor sie sie wieder von sich gab. „Die Nornen scheinen weder dir noch mir Frieden zu gönnen. Das mag wohl das Schicksal eines anderen sein.“ Sie lächelte schwach, reichte ihm dann einen Krug. „Hier für dich! Für ein wenig Seelenfrieden.“ Leif roch das intensive Aroma von Blut, das dunkelrot, fast schwarz, in dem tönernen Gefäß dahin schwappte. „Eine milde Spende von Karl und mir. Das wenigste, das wir tun können in dieser Nacht.“ Sie hielt einen Moment inne bevor sie weiter sprach. Wir haben Erik und dich hierher gebracht. Ich wusste, dass die Hütte nicht weit war und in der Kapelle gab es keinen sicheren Unterschlupf. Da sowohl Erik als auch du zu Tode erschöpft waren hat Thyra keine Fragen gestellt. Das Wetter war so schlecht, dass es ein leichtes war euch unbehelligt hierher bringen zu können.“ Leif sog das Aroma von frischem Blut ein und trank es in kleinen Schlucken. Es war köstlich süß und würzig, herzhaft und sanft zugleich und das obwohl es kalt war. "Danke das habe ich gebraucht." Er schaute fast traurig in den leeren Topf. "Also vielleicht sollten wir aufbrechen. Weißt du es ist ja nicht so das ich den Nornen und ihrer Weisheit nicht traue, aber ich werde trotzdem nicht vor irgendeinem Schatten klein beigeben. Die Götter alleine wissen, was sich dort an Eriks Seele geheftet hat, aber ich will verdammt sein wenn wir nicht einen Weg finden das Vieh wieder in die Hölle zu schicken aus der es gekrochen kam." Der Nordmann schaute noch einmal zu Brunhild. "Im Übrigen bin ich mir auch recht sicher warum Erik mit mir reden will. Er wird herausgefunden haben, wer ich wirklich bin. Er hat so eine Andeutung gemacht, aber wir werden die Wahrheit noch früh genug herausfinden. Bist du bereit?" Brunhild legte den Kopf in den Nacken und schüttelte leicht den Kopf. „Ich verstehe, dass du dich eilen willst, aber ich denke, es ist wichtiger, dass wir den Augenblick nutzen um miteinander zu reden.“ Sie blickte auf ihre Füße und mied für einen Moment seinen grauen Augen. „Du willst diesen Dämon in die Hölle zurück schicken aus der er gekommen ist. Ich weiß, dass du immer ehrenhaft handeln wirst wenn einer von uns oder die Stadt in Not ist… aber hast du all das wirklich durchdacht?“ Sie schluckte. Dann sah sie ihn direkt an. „Erik hat sich dazu entschieden diesen Dämon an sich zu binden, oder von ihm besessen zu werden. Er hält ihn für den Geist seines, in seinen Augen verdammten Urahnen, den zu jagen die Familie geschworen hat bis in alle Ewigkeit. Thyra kam durch alles, was sie gesehen hat zu dem gleichen Schluss…“ Sie wartete lange und ihre Augen sahen traurig aus, nahmen dann jedoch einen harten Zug an und es fiel ihr unvorstellbar schwer weiter zu sprechen. „Wenn Erik sich selbst richtet, so wie er vorhat, dann wird der Dämon vergehen. In seinen Augen und in denen Thyras ist damit der Geist ihres Urahnen vernichtet. Und Thyra wird es den Großen unserer Familie berichten und das, was in ihren Augen, ihrer Erinnerung, zu lesen sein wird, wird ihre Worte untermauern und als wahr bestätigen. Durch seinen Tod kann die Familie den Frieden finden, den sie seit Jahrhunderten sucht, auch wenn er auf einer Lüge aufgebaut sein mag. Du wirst Frieden finden können.“ Leif war wie erstarrt und schüttelte nur mit dem Kopf. Ein einziges Wort verließ seine Lippen und es war fast nur ein Hauch. “Nein.” Er wiederholte das Wort noch einmal. “Nein.” Aber es war unmöglich herauszufinden in welchem Zusammenhang er dies meinte. Leif wusste es selbst nicht. “Kannst du das wirklich für eine gute Idee halten Brunhild? Glaubst du der Frieden den deine, ihre, unsere Familie sucht könnte mit einer Lüge gekauft werden? Wie lange würde es dauern bis irgendjemand - eine Seherin, ein ambitionierter Krieger oder vielleicht nur ein cleverer junger Mann Zweifel an all dem hegen wird und erneut beginnt nachzuforschen um zu sehen ob der verfluchte Ahn wirklich sein Ende gefunden hat?” Er schüttelte nur mit dem Kopf. “Ich weiß es mag sich komisch anhören, insbesondere aus meinem Mund denn du kennst mich, aber über ein Jahrhundert Schmerz und Rache werden sich nicht dank eine Lüge auflösen. Vielleicht für einen Moment, aber auf lange Sicht werden wir alle dafür bezahlen, da bin ich mir sicher. Außerdem...und bitte versteh mich nicht falsch...Wärst du wirklich bereit deinen Sohn für all das zu opfern?” Leif schwieg einen Moment. “Ich bin es nämlich nicht. Das hat er nicht verdient und du auch nicht.” „Was ich tun würde oder nicht, möchte ich für einen Augenblick außen vor lassen. Ich möchte nur, dass du dir genau überlegst, was es bedeutet, wenn du Eriks Tod und den des Dämons verhindern willst… Eines muss dir klar sein: kein Mitglied unserer Familie würde weiterhin nach dir suchen können. Der Preis, der für diese Suche aufgebracht werden muss ist für die Familie so horrend, dass keiner ihn mehr bezahlen würde um ein Wesen, das eindeutig nicht mehr existiert aufzuspüren.“ Sie lächelte schwach. „Wie sonst kannst du dir erklären, dass dich in all den Jahren niemand hat aufspüren können? Ich habe nur nach Brügge gefunden, weil du es mir sagen wolltest.“ Sie sah ihn an. „Die Familie würde die Jagd aufgeben, Frieden finden können. Thyra könnte ihr eigenes Leben führen… ein einziges Leben für das einer ganzen Familie…“ "Und dafür würdest du Erik auf die Schlachtbank führen?" Er schüttelte den Kopf. "Das ist nicht richtig das weißt du. Warum hat Thyra ein glückliches Leben verdient und nicht ihr Bruder?" Leif spürte selbst wie er nach Worten suchte. "Weißt du was ich kann dich nicht daran hindern zu tun was du für richtig hältst, aber ich will keinen Anteil daran haben." Er verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich gehe lieber bis ans Ende der Welt von den Kindern von Vidarr gejagt als Erik dafür zu opfern vielleicht ein wenig Frieden zu finden. Egal für wen." Leif wusste das er starrsinnig war und vielleicht war es auch unfair sich so aus der Diskussion zu ziehen, aber die ganze Idee klang so falsch das er sich irgendwie weigern wollte auch nur weiter darüber nachzudenken. Brunhild griff mit den Fingern nach seinen Oberarmen und zwang ihn sie anzusehen. Ihre Stimme war von einer solchen Bestimmtheit und Trauer wie wohl noch nie zuvor in ihrem Leben. „Leif! Ich würde niemals freiwillig meinen Sohn für irgendetwas opfern. Ich wäre nie in der Lage dabei zu sein, zu zusehen oder meinen Anteil daran zu haben. Du kannst mehr sehen als andere, also sieh!“ Es war Leif ohne einen einzigen Widerstand möglich ihre Gedanken zu lesen.“   „Das sind meine Kinder, Leif. Und wenn ich könnte würde ich mich selbst opfern um diesen Spuk zu beenden. So wie Erik es zu tun gedenkt. Auch wenn sein Tun falsch ist, bin ich als Mutter stolz auf den Mut, den er an den Tag legt.“ Sie wandte den Blick ab. „Aber es geht hier nicht um das, was ich will, sondern das, was richtig ist und ich sollte nicht diejenige sein, die solche Entscheidungen trifft, denn ich werde sie immer nur in eine einzige Richtung treffen können. Hier geht es auch um dich und dein Schicksal.“ Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. „Wenn du an Eriks Seite gegen einen Dämon kämpfen und bestehen möchtest, weiterhin dein Schicksal trägst und genau wie ich erduldest, was mit dem Rest der Familie geschehen wird, dann nimmst du mir eine unerträgliche Bürde von den Schultern. Wenn du dich aber dagegen entscheidest, seinen Tod zu deinem Wohl und dem der Familie in Kauf nimmst werde ich dir genauso weiterhin zur Seite stehen.“ Sie rieb sich die verräterisch feuchten Augen. „Ich will nur, dass du deine Wahl gut überlegst!“
_________________ Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimms. Dante Alighieri
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