Vampire: Die Maskerade


Eine Welt der Dunkelheit
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 Betreff des Beitrags: Alte Wunden & neue Wege
BeitragVerfasst: Di 19. Mär 2019, 22:30 
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Seit sie bedingt durch ihre Gabe herausgefunden hatte, dass Hans, der Hans aus Brügge, der ehemalige Schreiber der Stadtwache und vor allem der ehemalige heimlich Liebende ihres Mündels und gleichzeitig ihr Mörder ihren Weg kreuzen würde, war Lilliana... Ja was war sie? Unruhig, bedrückt, entschlossen Lucien zu befreien, in Sorge um das was noch kommen mag und sogar etwas besorgt um ihn. Um Hans. Warum nur, fragte sie sich als sie am Tag in der Höhle übernachteten. Warum nur? Er war verurteilt, er war geständig gewesen und keiner hätte sich um ihn geschert, wenn sie ihn gehängt hätten. Keiner? Nein, korrigierte sie sich. Sei ehrlich zu dir selbst.
Als man ihr schonend die Nachricht brachte, dass sich Bischof Martin seiner angenommen hatte, waren sie alle verwundert gewesen wie gefasst die Gräfin darauf reagierte. Wie verräterisch wäre es gewesen, hätten sie in ihr innerstes blicken können. Da war keine Wut, wo doch schon aus Trauer um Marie Wut auf ihren Mörder hätte da sein sollen…
Als sie in der drauffolgenden Nacht entgegen Lillianas Wunsch Hans begegneten änderte sich alles. Kein Tod des Mörders von Marie, kein schnelles Ende. Stattdessen war er noch am Leben, hier wieder in dieser Höhle in der sie nach der Befreiung Luciens geflohen waren. Sie konnte förmlich den Fingerzeig spüren und sie wusste es war Zeit für ein Gespräch mit ihm. Mit dem Kainiten, der genau wie sie einiges mit Hans verband, obwohl doch die Schicksale und Leben eines Menschen für einen Kainiten nur ein Wimperschlag während seiner ewigen Wanderung auf Erden war.
Es brauchte nur wenige Worte, der Tag bzw. der Sonnenaufgang war näher und es hatte einiges an Zeit gekostet Lucien zu finden und wieder in die Höhle zurück zu gelangen, aber noch blieb Zeit. Sie führte Leif etwas tiefer in die Höhle, hinter eine kleine Felsformation. So das ihre Worte nicht an die Ohren der anderen drangen. Noch nicht…

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Sie hatten es geschafft. Irgendwie. Es wirkte noch immer unglaubwürdig, dass sie Lucien, hier am Ende der Welt gesund und in einem Stück gefunden hatten. Ein kleines Lächeln stahl sich auf seine Lippen und für einen Moment erlaubte es sich Leif ein wenig der Anspannung abzulegen, die ihn den letzten Stunden begleitet hatte. Ihre Gruppe hatte eine Pause eingelegt, um ihre nächsten Schritte zu besprechen. Der kurze Moment der Freude erstarrte plötzlich zu Eis, als der Blick des Salubri auf Hans fiel. Er starrte den jungen Schreiber an, lange und erhob sich schließlich mit steinerner Miene. Er ging zum Schattenwolf und sprach mit leiser Stimme. „Tu mir bitte einen Gefallen. Befrage unseren Gefangenen über alles, was du noch wissen willst und dann sollten wir ihn so schnell wie möglich loswerden.“ Leif wartete keine Antwort seines Gegenübers ab und ging über den sandigen Boden mit Lilliana mit, die ihn ein wenig weiter in die Höhle hineingeführt hatte. Sie wirkte mindestens genauso nachdenklich wie er. „Wie geht es dir?“ Der Heiler sprach leise und hatte einen stoischen Ausdruck auf den Zügen.

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Lilliana hatte sich unüblich für eine die den Titel Gräfin trug, mit ihrer Kleidung auf den verstaubten Boden gesetzt. Aber was war schon üblich für sie? Sie seufzte einmal aus und sah mit einem nachdenklichen Blick auf den Boden „Ich kann dir ein Trauma an Farben ersparen würdest du jetzt in mein Innerstes blicken und nach den Gefühlen suchen, die diese Situation beschreiben. Es gibt einfach nicht das eine Gefühl um dieses hier…“ sie machte mit der Hand eine kurze unpräzise Handbewegung in der Luft „…zu beschreiben.“ Ihr Kopf erhob sich und sie blickte ihm in die Augen, lächelnd. „Was haben wir schon erlebt und dann…“ Ihr Blick wandte sich ab und fand in der Ferne die Umrisse von Hans und bei ihm Lucien und der Ausdruck auf dem Gesicht des Gangrels ließ sie erahnen, dass das was die beiden zu besprechen hatten kein Austausch über die neueste Kleidung bei Bischof Martin war. Ihr Blick ging wieder zu Leif „Warum hast du so gehandelt Leif? Was hat dich einhalten lassen von deinen Plänen abzukommen?“
Leif setzte sich neben sie. Er ließ den Kopf hängen und seufzte tief, während er einen Punkt irgendwo an der dunklen Felswand fixierte. „Es hat sich einfach so leer, so sinnlos angefühlt.“ Der Salubri suchte den Blick seiner alten Freundin und Lilliana konnte dort eine Emotion erkennen, die sie selten bei Leif sah. Furcht. „Die ganze Zeit hatte ich diese Wut in mir, diesen Wunsch nach Rache. Ich wusste immer, sobald ich einen derjenigen die für das Massaker verantwortlich sind in die Hände bekomme würde ich meine Rache nehmen. Das wäre nur gerecht und danach würde ich mich besser fühlen. Die Ordnung der Dinge ist wiederhergestellt wenn du so willst.“ Leif neigte seinen Kopf und lehnte sich an Lillianas Schulter an. Er schwieg und draußen konnte man den Wüstenwind leise heulen hören. „Aber da war nichts. Gar nichts. Kein Gefühl der Erleichterung, der Erlösung, ja nicht einmal mehr der Wunsch nach Rache. Als ich diese Kreatur gesehen habe, die einmal Hans war...da konnte ich ihn nicht töten. Es hätte nämlich keinen Unterschied gemacht und auch diese Leere nicht ausfüllen können. Lilliana? Ich glaube es ist mir inzwischen alles egal. Hans, Martin, die Tremere...Ich habe nicht einmal mehr Wut für all das übrig. Es ist mir alles gleich und das macht mir Angst.“
Instinktiv hatte sie, als sie merkte wie er ihre Nähe suchte den linken Arm dazu benutzt, ihn von hinten an seine Schulter zu legen, so wie er seinen Kopf an ihrer Schulter platzierte. Ein Bild wieder so unüblich. Sie wartete bis er fertig gesprochen hatte und auch danach erhob sie nicht sofort die Stimme. Stattdessen ließ sie einfach das hier und jetzt verstreichen. Diese Ruhe. Vielleicht die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Dann jedoch blickte sie wieder zu ihm, so wie er in dieser Position an ihrer Schulter verharrte. „Ich wünschte ich könnte dir den Frieden geben, den du so dringend benötigst. Du wirkst müde mein Freund. Müde von den ewigen Wegen, die wir gehen. Müde davon, dass es bislang keinen Weg gibt die Tremere von ihrem Weg abzuhalten deinen Clan zu vernichten. Und du…nein“ sie schüttelte leicht den Kopf und fuhr weiter fort. „Wir sind müde wenn wir sehen, was die Folgen unserer Taten sind. Ich denke dann gerne an die Dinge, die der Herr mir gezeigt hat in seiner Gnade, wie das Lächeln meiner Tochter oder die Bekanntschaft und die Güte meines Erzeugers. Er gibt niemanden auf. Niemanden…“ Ihr Blick glitt ab von seinem Hinterkopf weg in die Richtung wo die Gruppe zu finden war.
„Ich bin tatsächlich müde.“ Leif schloss für einen Moment die Augen, wie um seine eigene Aussage zu unterstreichen. „Wir kämpfen wie wilde Tiere, opfern das bisschen was noch von unserem Seelenfrieden übrig ist und versuchen all die Katastrophen um uns zu kontrollieren...Wofür eigentlich? Dafür das in einem Monat oder auch in einem Jahr einfach nur der nächste Wahnsinn auf uns wartet?“ Der Salubri schien keine echte Antwort auf seine Frage zu erwarten. Dann nach einer kleinen Weile hob er wieder den Kopf. Er schaute zu seiner alten Weggefährtin. „Es ist einerlei.“ Er schüttelte den Kopf, wie um seiner Aussage mehr Gewicht zu geben. „Was machen wir jetzt mit Hans? Wir können ihn nicht mit uns mitnehmen. Was denkst du? Die anderen werden wahrscheinlich unsere Entscheidung hören wollen, wenn wir über sein Schicksal entscheiden.“

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„Es gibt wohl kein richtig und kein falsch.“ Sie begann überraschend zu sprechen, ihr Blick noch immer auf die Decke gerichtet, als suche sie dort die Antwort auf nicht nur eine Frage. „Ich habe mir diese Frage schon seit der Nachricht gestellt, dass mein Mündel am Tag ihrer Hochzeit nicht ihren Bräutigam zum Mann nehmen konnte. Und seit seine Wege die unseren wieder kreuzten, da hoffte ich er würde dir, er würde mir in die Augen sehen und um Verzeihung bitten. Ich hätte ihn gehen lassen Leif.“ Sie veränderte wieder ihre Position und wirkte gefasst, als ihre Augen die seinen suchten. Ihr Gesichtsausdruck wirkte dann aber betrübt und auf einmal wieder entschlossen. Ein Kampf tobte in ihrem Inneren, wie sie ihn bereits davor gewarnt hatte. „Doch etwas in ihm scheint zerbrochen, etwas in ihm wurde zerstört und etwas in mir möchte es nicht so enden lassen. Es wäre nicht richtig, es wäre nur einfach Lucien oder Gerrit zu erlauben sich an ihm zu nähren. Sie würden es emotionslos tun und er würde sterben in Gedanken daran das der Bischof, der Kirchenmann Recht hatte und wir Monster sind.“ Es war spürbar, greifbar, was sie nun auch aussprach. „Ich möchte ihm helfen, ihn wieder aufrichten, wo der Bischof ihn auf den Boden drückte. Ich möchte ihm zeigen, dass die Welt nicht so ist, wie er glaubt das sie sei. Du hast ihn verschont und auch die anderen haben sich bislang zurückgehalten. Was soll mir, was soll uns noch zeigen, dass Gott einen anderen Weg für ihn bestimmt hat. Er ist nicht verloren. “ Der Gesichtsausdruck wirkte selten so entschlossen wie jetzt, doch der Blick mit dem sie ihn ansah war fragend, fast schon bittend nach Absolution.
Leif überlegte lange. Lillianas Äußerungen schienen ihn nicht zu überraschen. Er seufzte schließlich mit einem ganz leichten Lächeln auf den Lippen. „Ich habe das befürchtet. Dennoch hatte ich gehofft das du dir etwas anderes wünscht oder in den Kopf setzt.“ Leifs Blick wanderte in die Richtung von Hans, nur um sich recht schnell wieder abzuwenden. „Wenn du diesen Weg gehen willst, dann werde ich dir nicht im Weg stehen, aber ich kann dir nicht dabei helfen. Das könnte ich nicht und ich glaube auch nicht, dass es möglich ist. Zumindest nicht im Moment, denn der Hans den wir einmal gekannt haben existiert nicht mehr. Jedes Gebet wird verschallen und jeder Versuch an ihm abprallen, solange er sich nicht helfen lassen will – und er wird sich nicht helfen lassen. Hans ist zum Fanatiker geworden und wenn er sich nicht einmal daran erinnern will, dass er Marie einmal geliebt hat wird er auch nicht in der Lage sein zu sehen, dass Martin ihn zu dieser bemitleidenswerten Kreatur geformt hat. Im Grunde ist nichts mehr von dem Schreiber übrig den du einmal gekannt hast.“ Der Heiler legte Lilliana eine Hand auf den Oberarm. „Aber mit einer Sache hast du Recht. Ihn zu töten bringt nichts, nur noch mehr Blut. Wir sollten ihn einfach laufen lassen und sein Schicksal in Gottes Hände legen.“ Leif zuckte kurz mit den Schultern. "Aber was auch immer passiert. Ich kann dir zumindest versprechen, dass ich dir den Rücken freihalten werde. Auch wenn ich nicht daran glaube, dass Hans noch zu retten ist."
Kein weiteres Wort kam mehr über ihre Lippen. Aber der Blick mit dem sie ihn ansah, war voll der Dankbarkeit und ein kleines verschmitztes Lächeln stahl sich über ihr Gesicht, ehe sie sich lautlos aus ihrer Position erhob und ihm die Hand zum aufstehen hinreichte. Ein neuer Tag brach an und mit ihm eine neue Nacht. Eine neue Nacht voll der Möglichkeiten, voller Aufgaben und eine Nacht in der ein neuer Faden gewoben wurde, auf das die Folgen ihrer Entscheidung sie eines Nachts einholen würde.

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“Leichter ist es Menschen zu finden, die freiwillig in den Tod gehen, als solche, die mit Geduld Schmerzen ertragen.”
- Gaius Iulius Caesar


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